Serie „Humbug“ War der Tod von Lady Di ein Auftragsmord?

Serie | Düsseldorf · Vor fast einem Vierteljahrhundert stirbt Lady Diana in einem Pariser Autotunnel. Die Spekulationen reißen seitdem nicht ab. War es ein Verkehrsunfall oder steckt doch ein Komplott der Königsfamilie dahinter? Die neue Folge unserer Reihe „Humbug“.

Prinzessin Diana mit ihrem damaligen Ehemann Prince Charles und den gemeinsamen Söhnen Harry und William.

Prinzessin Diana mit ihrem damaligen Ehemann Prince Charles und den gemeinsamen Söhnen Harry und William.

Foto: dpa

Eine weltweit beliebte Prinzessin, ein reicher Unternehmersohn, die britische Königsfamilie, ein plötzlicher Autounfall ohne Zeugen oder Kamerabilder: Die Umstände rund um den Tod von Prinzessin Diana lesen sich wie das kleine Einmaleins der Verschwörungstheorien und liefern auch Jahrzehnte später fruchtbaren Boden für eine Menge Spekulationen.

Es ist eine Nachricht, die sich in der Nacht zum 31. August 1997 in Windeseile verbreitet und die Welt in einen Schock versetzt. Lady Diana ist bei einem Autounfall in Paris ums Leben gekommen!

Die Ex-Frau von Prince Charles ist an jenem Abend mit ihrem neuen Freund Dodi Al-Fayed im Auto unterwegs. Nach einem Abendessen im Ritz-Hotel wird das frisch verliebte Paar – wie so oft – von Fotografen verfolgt. Auf der Flucht vor den Paparazzi verliert Chauffeur Henri Paul im Seine-Tunnel am Pont De L’Alma bei hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über den Wagen und prallt gegen einen Tunnelpfeiler. Der ägyptische Unternehmer und sein Fahrer, der laut Autopsie 1,8 Promille Alkohol im Blut hatte, sterben noch am Unfallort, Lady Di wenige Stunden später im Krankenhaus.

Die Bilder des vollkommen zerstörten Unfallautos sind tagelang in den Nachrichten, die Anteilnahme über das tragische Ende der „Königin der Herzen“ erstreckt sich weit über die Grenzen Großbritanniens hinaus. Aber war es überhaupt ein Unfall? Oder etwa kaltblütiger Mord?

Was wird behauptet?


Schon wenige Stunden nach Lady Dianas Tod werden erste Zweifel an der offiziellen Version laut. Für viele Fans der überaus beliebten Prinzessin steht fest, dass es sich auf keinen Fall um einen Unglücksfall gehandelt haben kann. Eine Verschwörungstheorie entsteht; sie besagt, dass vielmehr das britische Königshaus einen Mord in Auftrag gegeben habe, weil das Auftreten der Prinzessin seit der Scheidung von Prinz Charles im Jahr 1996 den Windsors geschadet habe. Viele glauben, dass Diana aus diesem Grund sterben musste. Der Unfall soll angeblich vom britischen Geheimdienst MI6 initiiert worden sein.

Woher kommt der Humbug?

Gestützt wird diese Verschwörungstheorie vor allem von Mohamed Al-Fayed, dem Vater des Verstorbenen und Eigentümer des berühmten Londoner Kaufhauses Harrods. Der einflussreiche Unternehmer behauptet, die Windsors hätten es nicht ertragen, dass sein Sohn Diana heiraten wollte und den Mord deshalb in Auftrag gegeben. Dass Diana angeblich von Dodi schwanger war, soll dem Britischen Königshaus ein zusätzliches Motiv für den Tod der Prinzessin geliefert haben. Diese Anschuldigungen lösen eine mediale Lawine aus, die vor allem in den Boulevardmedien für tägliche Schlagzeilen sorgt – mit immer neuen Fragen und Theorien.

Augenzeugen wollen am Unfallort gesehen haben, dass der Fahrer von einem hellen Blitz – etwa von einer Lichtkanone – geblendet worden sei. Außerdem wurden fremde, weiße Lackspuren am schwarzen Mercedes gefunden: für einige Anhänger der Verschwörungstheorie ein Indiz, dass der Wagen im Tunnel von der Straße gedrängt wurde. Auch die Tatsache, dass der Krankenwagen mit Lady Di auf dem Weg ins Krankenhaus immer wieder anhielt, soll Beweis für ein Mordkomplott sein.

Wie verbreitet ist der Humbug?


Bücher, Filme, Serien, Podcasts: So groß das weltweite Interesse am Leben von Prinzessin Diana war, so groß ist es auch an den Umständen ihres Todes. Laut Pia Lamberty, Sozialpsychologin und Expertin für Verschwörungstheorien, glauben auch 25 Prozent der Deutschen, dass an der Geschichte um den Tod von Lady Di etwas faul sei. Selbst fast ein Vierteljahrhundert später reißen die Spekulationen um den Tod der Prinzessin nicht ab.

Was ist dran?

Tatsächlich stößt man auf Widersprüche, die auf den ersten Blick Verdacht erregen könnten. Während der Autopsiebericht des Chauffeurs Henri Paul einen Alkoholpegel von 1,8 Promille aufwies, erwecken Aufnahmen einer Überwachungskamera etwa 20 Minuten vor dem Unfall einen anderen Eindruck. Da verlässt Paul aufrecht und gerade gehend das Hotel. Auch Augenzeugen aus dem Hotel berichten, dass der Chauffeur keinen betrunkenen Eindruck gemacht habe. Zudem wurde trotz intensiver Suche das Auto nie gefunden, das für die weißen Lackspuren am Unfallwagen verantwortlich gewesen sein soll. Da im Seine-Tunnel aber keine Kameras hingen, konnten die Gründe des Unfalls nie vollständig geklärt werden.

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Aufhorchen lässt zudem eine Aussage Dianas ein Jahr vor ihrem Tod. Damals sagte sie zu einer Freundin, dass es sie nicht wundern würde, wenn sie mal durch einen Autounfall ums Leben kommen würde. In einem Anfang der 2000er-Jahre veröffentlichten Buch von Dianas Ex-Butler Paul Burrell („Im Dienste meiner Königin“) berichtet dieser von einem Brief der Prinzessin, in dem es heißt: „Dieser Abschnitt meines Lebens ist einer der gefährlichsten für mich. Mein Ehemann plant einen Unfall mit meinem Wagen.“

Was sagen die Experten?

2004, sieben Jahre nach Dianas Tod, wurde die „Operation Paget“ von der Londoner Polizeibehörde ins Leben gerufen, um den diversen Verschwörungstheorien rund um den Unfall mit einer strafrechtlichen Ermittlung auf den Grund zu gehen. Dabei wurden alle Behauptungen und Spekulationen zu einer möglichen Verschwörung unter die Lupe genommen. In den Untersuchungen ging es unter anderem um die angebliche Schwangerschaft und die Verlobungspläne des Paars, um die Rolle der Paparazzi in der Unfallnacht, um die medizinische Versorgung der Prinzessin und um die ungeklärten Indizien wie den hellen Blitz im Tunnel, die Fahrtüchtigkeit des Chauffeurs und die weißen Lackspuren am Auto.

 Die Behörde kam im Abschlussbericht, der am 14. Dezember 2006 aufgrund des hohen Interesses vollständig im Internet veröffentlicht wurde, zum Ergebnis, dass es sich um einen tragischen Unfall gehandelt habe – alle weiteren Theorien seien haltlos und nicht zu beweisen. Ursächlich für den Tod der Prinzessin war demnach die hohe Geschwindigkeit des Autos, die Trunkenheit des Fahrers und die Tatsache, dass Lady Di nicht angeschnallt war. Entgegen der Behauptung der Verschwörungstheoretiker war sie zudem nicht schwanger von Dodi Al-Fayed, auch eine Hochzeit des frisch verliebten Paares war nicht geplant.

Involviert in die „Operation Paget“ war auch der britische Pathologe Richard Shepherd. In seinem Buch „Der mit den Toten spricht“ schreibt der Rechtsmediziner über die Todesursache der Prinzessin: „Niemand ahnte, dass sie einen winzigen Riss in einer Lungenvene hatte. Auf die Rettungssanitäter wirkte sie verletzt, aber stabil, insbesondere, da sie in der Lage war zu sprechen. Jedoch blutete die Vene langsam in ihrer Brust. Im Krankenwagen verlor Diana zunehmend das Bewusstsein.“ Dies sei der Grund, wieso der Rettungswagen auf dem Weg ins Krankenhaus mehrere Male anhalten musste – die Rettungskräfte kämpften in diesen Momenten um das Leben der Prinzessin.

Erst im Krankenhaus entdeckte man bei der Operation ihre schwere Verletzung in der Lunge – leider zu spät. Shepherd schreibt in seinem Buch: „Diese Verletzung ist so selten, dass ich in meinem ganzen Berufsleben keine zweite gesehen habe. Diana hatte nur eine winzige Verletzung – aber an der falschen Stelle.“

Es ist die Nacht auf den 31. August 1997, als das glamouröse und spektakuläre Leben der Lady Di durch eine seltene Verletzung in einem Pariser Tunnel ein jähes Ende findet. Kein Wunder, dass sich bei dieser Verschwörungstheorie aus dem Baukasten viele Mythen und Spekulationen um ihren Tod bis heute halten. Die Indizien sprechen allerdings eine deutlich andere Sprache.

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