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Hochwasser-Katastrophe: Wie NRW-Unternehmen den Flutopfern helfen

Mobilfunk-Hilfe, Stromgutscheine, Freistellungen, Apotheken : Wie NRW-Unternehmen den Flutopfern helfen

Im Tagebau Inden wurde ein RWE-Mitarbeiter vom Wasser mitgerissen. Viele Haushalte sind in der Eifel ohne Strom. 50 Apotheken sind außer Funktion. NRW-Unternehmen wie RWE, Eon, Vodafone und Henkel helfen mit praktischen Maßnahmen. Auch Bayer spendet.

Die Flutkatastrophe trifft auch die Wirtschaft in NRW. Zugleich starten viele Unternehmen Hilfsaktionen. Beim Stromerzeuger RWE kann das Kraftwerk Weisweiler nur noch mit reduzierter Kraft laufen. RWE schätzt den Schaden auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Am Donnerstag überspülte der Fluss Inde bei Lamersdorf einen Deich und lief in den Tagebau Inden, wo die Braunkohle  für Weisweiler abgebaut wird. In der Grube war ein 58-jähriger Raupenführer vom Wasser mitgerissen worden. Es gebe keine Hoffnung mehr, ihn noch lebend zu finden, teilte RWE mit. Der Konzern rechnet damit, erst Ende der Woche wieder Braunkohle abbauen zu können.

Als Hilfe für die unmittelbar Betroffenen spendet der Essener Energiekonzern eine Million Euro. Mit dem Betrag sollen Hilfsorganisationen und regionale Initiativen unterstützt werden. „Die Bilder der Hochwasser-Katastrophe sind erschütternd. Wir fühlen mit den Betroffenen, darunter sind auch viele unserer Mitarbeiter“, sagte RWE-Chef Markus Krebber.

Viele Haushalte in den Hochwasser-Gebieten waren oder sind ohne Strom, allein im Bereich der zu Eon gehörenden Westnetz waren zeitweise 165.000 Menschen betroffen. Eon-Mitarbeiter waren rund um die Uhr im Einsatz, um die Lage zu entspannen. Zudem brachte Eon eine Soforthilfe auf den Weg: Betroffene Haushalte, die Trockengeräte und Wasserpumpen einsetzen müssen, um die Wasserschäden zu beseitigen, erhalten von Eon pauschal  200 Euro, um den Mehrbedarf an Strom zu decken. „Betroffene Eon-Kunden wenden sich mit einer Hochwasser-Bescheinigung der zuständigen Kommune an Eon, die Hilfszahlung wird im Rahmen der nächsten Jahresendabrechnung erstattet“, erklärte der Konzern.

Auch andere Unternehmen bieten Hilfe an. Vodafone etwa zog aus ganz Deutschland mobile Funk-Stationen zusammen. „Sie kommen mit Spezial-Transportern ins Katastrophengebiet und sollen dort rasch wieder Empfang liefern, wo das Wasser unsere Stationen zerstört oder unzugänglich gemacht hat“, erklärte Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter. „Den Vodafone-Kunden im Katastrophengebiet buchen wir als Soforthilfe 100 Gigabyte Datenvolumen auf ihre Handys. Damit sie – wo das Festnetz zerstört wurde und unser Mobilfunknetz vorhanden ist oder wir es gerade repariert haben –  ausreichend surfen und telefonieren können.“

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Auch der Düsseldorfer Chemiekonzern Henkel hilft: „Wir sind eng verbunden mit der Region, auch einige unserer Mitarbeiter sind betroffen – deshalb wollen wir einen Beitrag leisten, um den Menschen schnell und unbürokratisch zu helfen“, sagte Henkel-Chef Carsten Knobel. „Dafür haben wir ein umfassendes Soforthilfepaket in Höhe von 600.000 Euro aufgesetzt.“ Zudem erhalten alle Mitarbeiter, die sich an den Einsätzen von Feuerwehr, THW, DRK oder DLRG beteiligen, bezahlte Freistellungen.

Das Hochwasser in NRW hat auch zahlreiche Apotheken zerstört. „Nach Schätzungen der Apothekerkammer und des Apothekerverbandes sind gut 50 Apotheken besonders im Süden des Landes nicht mehr betriebsbereit“, sagte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, unserer Redaktion. „Einen genauen Überblick werden wir erst in den nächsten Tagen haben.“ Zahlreiche Apotheken seien durch die Überflutungen völlig zerstört worden, andere sind durch die Zerstörung der Infrastruktur für Personal und Patienten nicht erreichbar. „Kein Patient bleibt aber unversorgt“, betonte Preis.  „Die funktionstüchtigen Apotheken übernehmen jetzt die Versorgung der Patienten - auch den Nacht- und Notdienst.“ Und er betonte: „Mit den Behörden sind wir bereits im Gespräch, um kurzfristig praktikable Interimslösungen zu finden. Denn in einzelnen Gemeinden fällt die einzige Apotheke vor Ort für längere Zeit aus. Viele Apotheken werden Wochen oder Monate brauchen, um ihre Betriebsräume wiederherzustellen.“

Bayer spendet 600.000 Euro als Soforthilfe für die Opfer. Die Mittel sind für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sowie zwei Stiftungen in Leverkusen und Wuppertal bestimmt, teilte der Konzern mit. Die Stiftungen setzen sich für Bürger in den jeweiligen Städten ein, die in Folge der verheerenden Überschwemmungen in Not geraten sind. Parallel dazu rufen Bayer und das DRK gemeinsam ein Programm ins Leben, um Mitarbeiter- mit Unternehmensspenden zu verbinden. „Jede Summe, die in diesem Rahmen privat gespendet wird, verdoppelt das Unternehmen bis zu einer Höhe von 50.000 Euro“, erklärte Bayer.

Das junge Unternehmen Siemens Energy, das große Standorte in Mülheim und Duisburg hat, hat sich ebenfalls beteiligt: „Wir haben zu einer Spende für die Hochwasseropfer aufgerufen. Binnen 48 Stunden kamen 275.000 Euro zusammen. Eine tolle Summe, das Unternehmen verdoppelt jetzt sogar noch“, erklärte der Sprecher. In Mülheim und Duisburg hat das Unternehmen auch Betroffene und Helfer, etwa der Freiwilligen Feuerwehr, freigestellt, damit sie Schäden in den Regionen beseitigen können.

(anh)