Todesstrafe in lebenlange Haft umgewandelt: Hinrichtung von Geisteskrankem gestoppt

Todesstrafe in lebenlange Haft umgewandelt : Hinrichtung von Geisteskrankem gestoppt

Atlanta (rpo). Ein 33-jähriger geisteskranker Mörder in Georgia, der kurz vor der Hinrichtung stand, bleibt nach heftigen internationalen Protesten verschont. Der Begnadigungsausschuss des US-Staates hob am Montag das Todesurteil gegen den jungen Schwarzen Alexander Williams auf und wandelte es in lebenslange Haft um.

Die Entscheidung kam nur wenige Stunden vor Ablauf eines Hinrichtungsaufschubs, der zur Prüfung des Falles verfügt worden war.

Williams, der 1986 im Alter von 17 ein 16-jähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet hatte, leidet seit seiner Kindheit an schwerer Schizophrenie. Er hat Halluzinationen und hält zum Beispiel die Schauspielerin Sigourney Weaver für Gott. Es gab viele bizarre Vorfälle während seiner bisherigen Haftzeit: So attackierte er 1990 einen seiner Anwälte und begründete es damit, ein kleines rotes Männchen habe ihn dazu beauftragt. Später wanderte er mit einer Gesichtsmaske aus Bett-Tuch durch die Zelle und behauptete, er sei der "Lone Ranger" - der Held einer Westernserie aus den fünfziger Jahren.

Während der 16 Jahre, die Williams in der Todeszelle saß, kämpften seine Anwälte unermüdlich für eine Verschonung. Sie verwiesen dabei auf sein jugendliches Alter zur Tatzeit und darauf, dass Williams so krank sei, dass er zum Teil die Realität gar nicht erfassen könne. Der Fall schlug schließlich über die USA hinaus Wellen, als die Anwälte bekannt machten, dass Williams im Gefängnis zur Medikamenteneinnahme gezwungen wurde, um ihn "geistig fit" genug für die Exekution zu machen. Nach einem Urteil des höchsten US-Gerichts dürfen in den USA Geisteskranke hingerichtet werden, solange sie begreifen können, was mit ihnen geschieht und warum.

Proteste kamen von nationalen und internationalen Organisationen, darunter die Europäische Union, Amnesty International und die amerikanische Vereinigung für mentale Gesundheit. Auch die frühere First Lady Rosalynn Carter bat um Verschonung. Der Begnadigungsausschuss folgte am Montag den Appellen, nachdem drei Psychiater ein neues Gutachten vorgelegt hatten. Das Gremium gab für seine Entscheidung aber keine Begründung.

(RPO Archiv)
Mehr von RP ONLINE