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Hamburg: Hamburg trotzt der Orkan-Sturmflut

Hamburg : Hamburg trotzt der Orkan-Sturmflut

Europaweit forderte Orkan "Xaver" zehn Todesopfer. Im deutschen Norden blieben die Schäden vergleichsweise gering.

Orkan "Xaver" ist über Europa hinweggefegt, die Schäden blieben aber geringfügiger als erwartet. Auch eine zweite, niedrigere Sturmflut am gestrigen Abend wurde von den Deichen abgefangen – wie die erste, deutlich höhere am Morgen. Dabei war der Pegel im Hafen auf 3,98 Meter über dem mittleren Hochwasser (6,09 Meter über Normalnull) gestiegen. Dies war die zweithöchste Flutwelle seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1825. Trotz der Wassermassen gab es keine Verletzten und keine größeren Schäden, sagte ein Sprecher der Innenbehörde. "Das war für die Deiche kein Problem."

Aufgrund der drohenden Sturmflut war der Hamburger Hafen bereits in der Nacht zu gestern geräumt worden. Der bekannte Fischmarkt am Hafen und Straßen entlang der Elbe standen unter Wasser. Ein Altenheim war von der Flut eingeschlossen. Überdies entgleiste ein Zug der Hamburger Hochbahn, nachdem er gegen einen umgestürzten Baum gefahren war. Allein in Schleswig-Holstein wurden mehr als 2000 orkanbedingte Einsätze verzeichnet. 10 000 Feuerwehrleute waren bundesweit im Einsatz.

Über Sylt fegte der Sturm in der Nacht mit mehr als 150 Stundenkilometern hinweg. Die Folge waren abgedeckte Dächer und eingedrückte Fensterscheiben. Umgeknickte Bäume behinderten den Straßenverkehr. Im Cuxhavener Stadtteil Döse riss der Orkan am Donnerstagabend ein 1000 Quadratmeter großes Flachdach von einem Haus ab. Außerdem wurden 40 Autos beschädigt.

Prekärer war die Lage auf den Halligen vor Schleswig-Holsteins Küste. Die Mini-Inseln waren vom Festland zeitweise nicht mehr zu erreichen, der Schiffsverkehr war eingestellt. "Es gab Warften, wo nur noch 20 Zentimeter bis zur Krone fehlten", sagte der Bürgermeister der Hallig Hooge. Teilweise schwappten die Wellen bis an die Häuserwände. Schlimme Folgen hatte der Orkan weiter südöstlich. Rund 4000 Haushalte und Unternehmen im westlichen Mecklenburg waren wegen des Orkans "Xaver" seit gestern Morgen ohne Strom.

In Großbritanniens Küstenregionen mussten viele Menschen die Nacht in Notunterkünften verbringen. Zudem waren hunderttausende Haushalte in Nord- und Mitteleuropa zeitweise ohne Strom, die meisten davon in Polen. Insgesamt forderte der Sturm zehn Todesopfer. In Polen starben drei Menschen, als ein Baum auf ihr Auto fiel. Zwei Seemänner gingen vor der schwedischen Küste über Bord. Die Küstenwache hat die Suche nach ihnen eingestellt. In Großbritannien und Skandinavien hatte es bereits am Donnerstag drei Tote gegeben. Zwei weitere Tote vermeldete die schwedische Zeitung "Dagens Nyheter" gestern Abend.

Wie schwer die finanziellen Schäden sind, ist bislang nicht abzusehen. Dafür sei es noch zu früh, sagte ein Sprecher des Rückversicherers "Munich Re". Im Vergleich zum Vorgängertief "Christian", das vor fünfeinhalb Wochen im Norden gewütet hatte, richtete "Xaver" aber weitaus geringere Schäden an. Die Versicherungen verzeichneten im Vergleich zu "Christian" nur ein Zehntel der damaligen Schadensfälle. ",Christian' war ein 100-Meter-Sprinter und ,Xaver' ein Marathonläufer", sagte Helgolands Bürgermeister Jörg Singer. Böen bis zu 126 Stundenkilometer hatten Deutschlands Nordsee-Insel erreicht, aber auch dort keine dramatischen Schäden angerichtet.

(RP)