Athen: Griechische Presse streikt bis Montag

Athen : Griechische Presse streikt bis Montag

Das ist eine schlechte Nachricht, für alle die informiert sein wollen: In Griechenland gibt es bis Montagmorgen keine Nachrichten mehr. Zumindest wird nicht mehr darüber berichtet. Der griechische Journalistenverband hat den größten Streik in der Geschichte des Landes ausgerufen. Seit gestern Morgen, sechs Uhr Ortszeit, senden Radio und Fernsehen keine Nachrichten mehr.

"Die nächsten Nachrichten werden erst am Montag um 6 Uhr gesendet", heißt es in einer Erklärung des Journalistenverbandes. Zeitungen sollen sogar erst am Dienstag wieder erhältlich sein.

Hintergrund des Streiks sind massive Entlassungen von griechischen Journalisten in den vergangenen Wochen. Der Verband der Medienunternehmer plane zudem allgemeine Lohnkürzungen von mindestens 15 Prozent. Der Verband der griechischen Zeitungsverleger weist auf die massiven Verluste im Werbegeschäft hin: Die Einnahmen in diesem Bereich betragen demnach nur noch ein Drittel des Wertes von 2009. "Wir müssen jetzt etwas unternehmen. Die Lage ist dramatisch", sagt Gianis Alafouzos. Seine Familie besitzt die Athener Zeitung "Kathimerini" und einen der wichtigsten Radiosender Griechenlands.

Gestern sendeten nahezu alle Fernseh- und Radiostationen aufgezeichnete Sendungen. Die Webseiten einiger Sender waren nicht erreichbar – die Internetseiten der Tageszeitungen nicht aktualisiert.

Das hoch verschuldete Griechenland ist im vergangenen Jahr nur knapp dem Staatsbankrott entgangen und nahm umfangreiche Finanzhilfen von der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch. Dafür musste sich die sozialistische Regierung in Athen verpflichten, ein umfangreiches Sparprogramm umzusetzen.

Die Maßnahmen führten zu Arbeitsniederlegungen in allen Branchen. Journalisten hatten sich an mehreren Generalstreiks beteiligt sowie selbst eine eintägige Arbeitsniederlegung organisiert.

(RP)
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