Digitale Nachrufe auf Verstorbene: Grabstein-TV und Trauerkanal

Digitale Nachrufe auf Verstorbene: Grabstein-TV und Trauerkanal

Düsseldorf (RPO). Friedhöfe waren bislang Orte der Ruhe und Einsamkeit. Im niederländischen Rhenen hat sich das geändert. Auf Bildschirmen, die in Grabsteinen eingelassen wurden, laufen Filmaufnahmen der Verstorbenen. Und in Deutschland soll noch in diesem Jahr ein Trauerkanal auf Sendung gehen. Bekommen Friedhöfe und Bestattungen bald einen neuen Charakter?

Die neuen Grabsteine in den Niederlanden verfügen über einen 7-Zoll LCD-Bildschirm, der Fotos und Filme der Verstorbenen zeigt. Die Hersteller-Firma möchte damit helfen die Erinnerungen lebendig zu halten. Die Bildschirme werden wahlweise mit Sonnenenergie oder Batterie betrieben. Ein kodierter Schalter in Verbindung mit einem Infrarotsystem startet den Computer und informiert den Besucher bis zu drei Minute, wenn er dicht genug an dem Grabstein steht. Wer jetzt Angst vor Krach und Ruhestörungen hat, sei beruhigt. Die Grabplatte zeigt zwar Bilder, sendet jedoch keinen Ton aus. Die Kosten für ein Gerät betragen etwa 3000 Euro.

Besucher werden also in Zukunft vielleicht nicht länger nur vor den Gräbern ihrer eigenen Angehörigen verweilen. An anderen Gräben könnten sie sich ansehen, welche Botschaften die Verstorbenen dort hinterlassen haben. Das Image als Bereich der Trauer und Zurückgezogenheit wäre Vergangenheit. Stattdessen würden aus den Friedhöfen lebhafte Orte - Orte des elektronischen Gedankenaustauschs.

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Eine sicherlich ganz andere Zielgruppe wird der Trauerkanal "Eos TV" haben, der noch in diesem Jahr in Deutschland auf Sendung gehen soll. Richten sich die Grabstein-Bildschirme eher an eine jüngere, moderne Zielgruppe, so soll mit dem neuen Trauerkanal die wachsende Zahl älterer Menschen angesprochen werden. Die Themenplanung sieht neben Dokumentationen über Friedhöfe auch Informationen rund um das Themenfeld Beerdigung, aber auch Pflege und im Hilfe im Alter vor. Der Sender soll sich durch Filme, in denen Nachrufe auf Verstorbene gezeigt werden, finanziert werden.

Ob die digitalen Grabsteine hingegen auch nach Deutschland kommen, ist allerdings ungewiss. Die Geräte werden wahrscheinlich an der deutschen Friedhofsordnung scheitern.

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