Geruch in der Kabine: Germanwings-Jet bleibt am Boden

Geruch in der Kabine: Germanwings-Jet bleibt am Boden

Bei einem Germanwings-Flug von Sardinien nach Köln gab es am Donnerstagmorgen erneut Probleme. Nach dem Boarden mussten rund 150 Passagiere die Maschine wieder verlassen, weil es in der Kabine ungewöhnlich roch. Jetzt wird eine Ersatzmaschine auf die Insel gebracht.

Die Maschine sollte am Morgen um 8.55 Uhr von Cagliari auf Sardinien starten und um 11 Uhr in Köln landen. Nachdem die Passagiere bereits eingestiegen waren, musste das Boarding abgebrochen werden. Der Grund: ein seltsamer Geruch in der Kabine.

Die Maschine sollte um 11 Uhr in Köln landen. Zur Zeit steht sie noch in Cagliari/Sardinien auf dem Rollfeld. Foto: Maximilian Plück

Germanwings bestätigte den Vorfall auf Anfrage. Eine Hilfsturbine der Maschine, die kurz zuvor nach Cagliari geflogen war, sei am Flughafen der sardischen Stadt ausgefallen. "Ein technischer Defekt, wir prüfen nun, was geschehen ist", sagte Heinz Joachim Schöttes. Gegen 15.40 ist laut Informationen unserer Redaktion die Ersatzmaschine eingetroffen.

Hilfsturbine defekt

Die Hilfsturbine ist laut Germanwings auschließlich zur Stromversorgung am Boden und zur Regulierung der Temperatur an Bord zuständig. Nachdem Passagiere den seltsamen Geruch festgestellt hatten, wurden die rund 150 Personen ins Terminal gebracht.

Gegen 11.30 Uhr wurden den Reisenden informiert, dass die Maschine nicht mehr einsatzfähig sei. Jetzt müssen die Passagiere warten, bis aus Deutschland ein Ersatzmaschine auf Sardinien eintrifft. Um 13 Uhr soll eine Maschine vom Köln/Bonner-Flughafen aus nach Sardinien starten. Zwei Stunden soll der Flug dauern.

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Immer wieder Probleme mit Geruch

Zwei Piloten der Lufthansa-Tochter Germanwings haben im Dezember 2010 nur mit Mühe eine Katastrophe verhindert. Sie landeten eine Maschine mit 149 Personen an Bord sicher in Köln, obwohl sie durch giftige Dämpfe im Cockpit stark benommen waren.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) beschreibt den Vorfall in ihrem jetzt veröffentlichten Zwischenbericht als "schwere Störung". Abgesehen von den Piloten, die vorübergehend ins Krankenhaus mussten, kam dabei niemand zu Schaden.

Laut dem Bericht der BFU nahmen die Piloten beim Landeanflug einen "verbrannten und elektrisch-süßlichen" Geruch wahr. Dem Copiloten (26) sei "kotzübel" geworden, seine Arme und Beine hätten sich taub angefühlt, er habe den Eindruck gehabt, nicht mehr klar denken zu können. Der 35-jährige Piloten sei "am Ende seiner Leistungsfähigkeit" gewesen.

Beide Piloten zogen sich Sauerstoffmasken auf, danach soll es dem Bericht nach etwas besser geworden sein. Um 21.34 Uhr setzte das Flugzeug "deutlich spürbar" auf der Landebahn auf — die Passagiere hatten von der Notlage nichts bemerkt. Bei ihnen war die Luft in Ordnung. Der Copilot war anschließend sechs Monate lang fluguntauglich.

(csi)
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