Das Geschäft mit den kleinen Figuren boomt: Gartenzwerge immer beliebter

Das Geschäft mit den kleinen Figuren boomt : Gartenzwerge immer beliebter

Basel (dpa). Fritz Friedmann, 1,68 Meter groß, als Gartenzwerg zu beschimpfen, wäre eine Beleidigung. Für den Gartenzwerg, versteht sich, ganz nach der Maxime von Friedmann, der auf die kleinen rotbemützten Zwerge nichts kommen lässt. Friedmann ist der Gartenzwergexperte schlechthin, in einschlägigen Kreisen als Professor nan. bekannt - nan. für Nanologie, die Lehre der Gartenzwerge. "Wir betreiben diese Wissenschaft mit 100 Prozent Seriösität und mit 100 Prozent Humor", sagt Friedmann.

Friedmann hat einen Gartenzwergboom ausgemacht. Die Wichtel werden gerne und reichlich übers Internet geordert. "Besonders in Frankreich und Kalifornien ist die Nachfrage riesig", sagt er. In Deutschland und der Schweiz auch. Das misst Friedmann an der Verkaufsfläche, die Gartencenter für Gartenzwerge einräumen. "Da sieht man jetzt große Sortimente und dann weiß man: es ist wieder ein Zwergenboomjahr. Das freut einen." Statistiken gibt es nicht. Aber Schätzungen: in deutschen Gärten stehen nach Angaben von Friedmann schon vier bis fünf Millionen Gartenzwerge, weltweit 100 Millionen.

"Es sind vermehrt junge Leute, die sich den Gartenzwerg auch auf den Balkon stellen", sagt Friedmann. "Das erinnert sie an ihre Jugend." Auch Singles seien inzwischen auf den Gartenzwerg gekommen. "Wer keine Katze oder keinen Hund hat, der hält halt mit seinem Zwerg Zwiesprache. Und weil der weise ist, gibt er immer die richtige Antwort." In der feinen Pariser Gesellschaft soll der Gartenzwerg auf dem Kaminsims inzwischen schon zum Gipfel des Snobismus gehören.

Friedmann (85), Wirtschaftsjournalist mit Schwerpunkt Jugendthemen, hat sich in 35 Jahren Selbststudium zur wahren Koryphäe auf dem Gebiet der Zwergenwissenschaft entwickelt. Seine Internationale Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge (IVZSG) entstand 1981 aus einem Gag heraus. Inzwischen hat sie 400 bis 500 Mitglieder, die regelmäßig mit der "Gartenzwerg Gazette" auf den neuesten Stand der Forschung gebracht werden.

Den echten Gartenzwerg erkennt man an verschiedenen Merkmalen, doziert der Professor. "Der echte Zwerg hat eine rote Mütze und eine grüne Schürze", sagt Friedmann. Und das kam so: In der Schlacht von Mikäa, 341 vor Christus, hauten sich die grünen und die roten Zwerge jeweils etwas auf die Mützen, berichtet Friedmann. Nach drei Tagen Kampf setzten sie sich zusammen und einigten sich auf den Kompromiss mit roter Mütze und grüner Schürze. Der wahre Zwerg ist übrigens nicht größer als 68 Zentimeter. "Um der Kleinheit die Ehre zu erweisen", sagt Friedmann.

Dann gibt es noch die beseelten und die unbeseelten Gesellen. "Ob der Zwerg beseelt ist, das spürt man mit einem tiefen Blick in die Augen. Da sieht man, ob es sich um Massenware oder Handarbeit handelt." Denn Plastik, Gips und andere Materialien sind dem Zwergexperten ein Graus. Der wahre Zwerg besteht aus Terracotta und ist von Hand bemalt. Die ersten Exemplare kamen aus der 1874 in Gräfenroda in Thüringen gegründeten Gartenzwergfabrik Griebel.

Ein Graus sind Friedmann auch die abartigen Exemplare, etwa "Nachbars Opfer" mit einem Messer im Rücken, oder gar die "Scharfe Susi", die frech den Mantel öffnet. Überhaupt sind Zwerginnen in der Nanologie verpönt. "Weil nicht sein kann, was nicht sein darf", sagt Friedmann.

Stellt sich die Frage nach der Fortpflanzung, die die Nanologen seit Jahren beschäftigt. "Manche glauben, die Zwerge haben ihre Frauen in ein paar Alpenhöhlen versteckt. Andere arbeiten an der Theorie, dass sie wie Äpfel an den Bäumen wachsen oder wie Pilze aus dem Boden schießen. Ich persönlich glaube, dass sie schon längst vor uns mit der Gentechnik vertraut waren. Problem gelöst", sagt Friedmann.

(RPO Archiv)
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