Duisburg: Ganz schlicht zur Kommunion

Duisburg: Ganz schlicht zur Kommunion

In der Gemeinde St. Peter und Paul in Duisburg gehen morgen alle Kinder in einem einheitlichen Gewand zur Erstkommunion. Eine Entscheidung des Pfarrers gegen Kommerz und für die Bedeutung des Weißen Sonntags.

Die kleine Pfarrkirche St. Peter und Paul in Duisburg-Marxloh steht zwischen schmucklosen Wohnblöcken. Die Arbeitslosenquote unter den Menschen in diesen Straßen ist hoch, das große Geld hat sich eigentlich noch nie hierher verirrt. Pfarrer Michael Kemper macht sich keine Illusionen: "Meine Aufgabe ist es, die frohe Botschaft in Familien zu tragen, die sonst viele schlechte Nachrichten hören." Kemper ist da pragmatisch. Wofür er kein Verständnis hat, sind Kapriolen und Eitelkeiten – auch nicht am Weißen Sonntag: "Vor Jesus sind alle gleich."

Morgen wird Pfarrer Michael Kemper 17 Kindern aus Marxloh ihre Erstkommunion erteilen. Und weil vor Jesus alle gleich sind, hat Michael Kemper entschieden: "Die erste Kommunion erhalten von mir alle Kinder in einem einheitlichen Gewand."

Damit geht der Duisburger Geistliche einen Weg, den immer mehr Gemeinden in NRW begrüßen. Doch nicht alle setzen die Idee so konsequent um. "Auch bei uns gab es zunächst Widerstand. Aber da bleibe ich hartnäckig. Da muss man überzeugen und argumentieren. Schließlich gibt es gute Gründe, warum ein schlichtes, weißes Gewand am Tag der heiligen Kommunion richtig ist", sagt Michael Kemper.

Im Bistum Aachen hat Achim Hoeps als "Referent für Verkündigung" andere Erfahrungen gemacht. "In einigen Gemeinden sind die Pfarrer mit ihren Plänen am erheblichen Widerstand der Eltern gescheitert. Das muss jeder Pfarrer mit seiner Gemeinde ausmachen."

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Warum Eltern bereit sind, mehr als 200 Euro für ein Kommunionkleid zu bezahlen, hat nach Ansicht der Markt- und Medienforscher vom Institut Rheingold in Köln mehrere Ursachen. "Zunächst einmal lässt sich über das Kleid oder den Anzug dokumentieren, welche Wertigkeit das Fest für die Familie hat. Dahinter steckt selbstverständlich ein gewisses Prestigedenken – der Wunsch, sich über hochwertige Kleidung abzugrenzen", sagt Rainer Pfuhler, Sprecher des Instituts. Darüber hinaus habe die sorgfältige Auswahl der Kleidung auch etwas mit der Interpretation der Erstkommunion als Aufnahme in eine erwachsene Gemeinschaft zu tun. "Das Kind schnuppert für einen Tag am Erwachsensein. Das Outfit nimmt also ein späteres Erscheinungsbild vorweg", meint Pfuhler.

Darüber hat sich Melanie Peters "keine großen Gedanken gemacht". Sohn Fabian wird morgen von Pfarrer Michael Kemper seine Erstkommunion in einem weißen Gewand erhalten, weil seine Mutter keinen Sinn darin sieht, "für einen Anzug viel Geld auszugeben". Fabian hat zwei große Brüder. Der Kommunionanzug wird immer weitergegeben. "Jetzt haben wir ihn gekürzt, das muss reichen für die Familienfeier nach der Kirche", sagt Melanie Peters. Die Idee, dass alle Kinder in Marxloh im gleichen Gewand den Weißen Sonntag feiern, findet die 34-Jähriges durchweg positiv: "Das mit den Kleidern und Anzügen ist bloß Geldmacherei. Bei der Taufe tragen wir doch auch alle ein weißes Kleid. Das kann bei der Erstkommunion nicht falsch sein."

Tatsächlich sieht Pfarrer Kemper in den weißen Gewändern, die den Familien in Marxloh kostenlos gestellt werden, eine konsequente Fortsetzung des Taufkleides. So sieht es auch das Erzbistum Köln. "Es gibt gute theologische Gründe, die für das sakrale Einheitsgewand sprechen. Die Gleichheit vor Christus ist ein Grund, die Tradition mit Tauf- und Hochzeitskleid ein weiterer", sagt Michael Kaseske, Sprecher des Erzbistums. Eine dahingehende Direktive, die theoretisch möglich wäre, will das Kölner Bistum aber nicht aussprechen. "Denn für viele Gläubige ist es besonders wichtig, an diesem Tag ihren Kindern ein besonderes Kleid zu ermöglichen."

Jennifer Konrad hat so ein besonderes Kleid. 250 Euro hat es gekostet, sie hat lange mit ihrer Mutter Bianca danach gesucht. Morgen wird sie es unter der weißen Einheitskleidung tragen, wenn sie von Pfarrer Kemper ihre erste Kommunion empfängt. "Wir haben lange sparen müssen", sagt Bianca Konrad. Die Gewänder findet sie gut, "weil kein Kind traurig sein soll". Sie ist aber überzeugt: Jennifer wäre aber ohne eigenes Kleid traurig.

(RP)
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