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München: Fritz Wepper in Lebensgefahr

München : Fritz Wepper in Lebensgefahr

Wegen einer Blutvergiftung kämpfte der Schauspieler mit dem Tod. Nun geht es ihm besser.

Es begann scheinbar ganz harmlos. Schauspieler Fritz Wepper streichelte am Dienstag vergangener Woche seinen zwei Jahre alten Hund "Aron". Der Deutsch-Drahthaar legte daraufhin seine Pfote zu kräftig auf den Unterarm seines Herrchens, zerkratzte ihm die Haut. Eine winzige Schramme, die etwas blutete, die der 69-Jährige aber nicht weiter beachtete.

Doch die minimale Verletzung hatte Folgen. Noch in der Nacht bekam Fritz Wepper Fieber. Wegen eines kleinen Kratzers wollte der Schauspieler auf keinen Fall die für die nächsten Tage angesetzten Drehtermine der ARD-Erfolgsserie "Um Himmels Willen" platzen lassen. Erst auf Drängen seiner Lebensgefährtin Susanne Kellermann (33), mit der der seit 32 Jahren verheiratete Fritz Wepper seit Mitte vergangenen Jahres zusammen ist, ließ er sich untersuchen. "Die Ärzte aber merkten nichts, sie gaben Entwarnung", berichtete Susanne Kellermann der "Bild"- Zeitung. Eine Fehldiagnose, die Fritz Wepper das Leben hätte kosten können.

Zwar reiste der 69-Jährige noch zum Drehort, doch nach wenigen Szenen quälte ihn heftiger Schüttelfrost. Erneut drängte seine Lebensgefährtin Fritz Wepper dazu, in eine Klinik zu fahren. Diesmal lautete die Diagnose der Mediziner: Blutvergiftung (Sepsis) — und das bedeutet stets akute Lebensgefahr.

"Jedes Jahr erkranken in Deutschland 150 000 Menschen an einer Sepsis — 56 300 davon sterben", sagt Konrad Reinhart, Professor für Intensivtherapie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und Sprecher des Kompetenznetzes Sepsis. Das bedeutet, dass täglich 154 Personen aufgrund einer Sepsis ums Leben kommen. Zum Vergleich: An AIDS sterben in Deutschland etwa zwei, an Lungenkrebs 106 Menschen pro Tag. Prominente, die an Sepsis starben, sind US-Schauspieler Christopher Reeve, TV-Moderatorin Ilona Christen und Verleger Rudolf Augstein.

Ursache für die hohe Zahl der Sepsis-Toten ist laut Konrad Reinhart vor allem das mangelhafte Wissen über die Erkrankung — auch unter Medizinern. Dass die Blutvergiftung bei Fritz Wepper nicht bei den ersten Untersuchungen erkannt wurde, ist für den Jenaer Arzt unverständlich. "Das muss man bei einer sachgemäßen Untersuchung eigentlich erkennen", meint der Spezialist. Wichtig für die erfolgreiche Behandlung einer Blutvergiftung, die durchaus möglich ist, sei es gerade, sie rasch zu erkennen und mit der Therapie zu beginnen. "Mit jeder Stunde, die vergeht, erhöht sich die Sterblichkeitsquote um sieben bis acht Prozent", sagt Konrad Reinhart.

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Typische Symptome für eine Sepsis sind Fieber, beschleunigter Puls, ein Blutdruckabfall, der Anstieg weißer Blutkörperchen und Verwirrtheit des Erkrankten, die meist schon recht früh eintritt. Diese Anzeichen müssten nicht unbedingt durch eine Sepsis ausgelöst werden, aber man sollte bei ihrem Auftreten stets eine Blutvergiftung mit in Betracht ziehen, meint Professor Gernot Marx, Direktor der Klinik für operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Uni-Klinikum Aachen. Zu den häufigsten Ursachen für eine Blutvergiftung gehören Lungenentzündungen, Blinddarm-, Wund- und Harnwegsinfektionen. Besonders gefährlich wird eine Sepsis, wenn Bakterien, Pilze, Viren oder Parasiten in die Blutbahn gelangen und Organe wie Niere, Leber oder Lunge erreichen. "Eine fatale Kettenreaktion bis hin zu einem Multiorganversagen ist dann möglich", sagt Gernot Marx.

Fritz Wepper befindet sich inzwischen laut seinem behandelnden Arzt Ludwig Seebauer auf dem Weg der Besserung. Untersuchungen im Münchner Klinikum Bogenhausen hätten "ein sehr aggressives Bakterium bestätigt, das auch lebenswichtige Organe erreicht hätte, wenn wir nicht sofort hochdosierte Antibiotika eingesetzt hätten". Fritz Wepper sagte laut der Klinik-Mitteilung: "Ich hoffe, dass ich es bald überstanden habe und freue mich riesig auf ein Wiedersehen mit meinem Hund. Er kann ja nun wirklich nichts dafür."

(RP)