Avignon: Freispruch im "Jihad"-Prozess

Avignon : Freispruch im "Jihad"-Prozess

Eine Französin zog ihrem Sohn (3) ein T-Shirt mit "Ich bin eine Bombe" an.

Als der kleine Jihad am Morgen des 25. September 2012 seine Vorschule in L'Isle-sur-la-Sorgue in der Nähe von Avignon betrat, ahnte er nicht, welchen Wirbel sein T-Shirt auslösen würde. "Je suis une bombe" ("Ich bin eine Bombe") prangte auf der Vorderseite des Kleidungsstücks. Hinten war zu lesen: "Jihad, geboren am 11. September".

Diese ungewöhnliche Kombination alarmierte die Lehrerin und Direktorin der Schule. Der Bürgermeister von Sorgue schaltete die Justiz ein, die wiederum Anklage erhob wegen "Verherrlichung von Verbrechen" gegen die Mutter von Jihad und dessen Onkel, der das T-Shirt gekauft hat. Gestern wurden die Angeklagten überraschend freigesprochen. Ihnen hatten bis zu fünf Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 45 000 Euro gedroht. Es sei nicht nachweisbar, dass mit den Sätzen die Terroranschläge vom 11. September 2001 gepriesen werden sollten, urteilten die Richter.

Zuvor sprachen die Mutter und der Onkel Jihads von einem Missverständnis. "Für mich ist das Jihads Vorname und sein Geburtsdatum", sagte der Onkel. Er habe sich nichts dabei gedacht. Für den Staatsanwalt aber war klar: "Nichts in diesen Worten ist unschuldig." Das Kind sei feige an die "Front des hasserfüllten Spotts geschickt worden", sagte er und plädierte auf schuldig.

Obwohl der kleine Jihad tatsächlich am 11. September geboren worden ist, sah die Schulleitung in der Aufschrift eine Anspielung auf den "Heiligen Krieg" und die islamischen Terror-Anschläge in den USA von 2001. Aufgeregt lud die Direktorin Jihads Mutter vor, eine aus Marokko stammende alleinerziehende Frau. Diese entschuldigte sich, als sie von der Empörung erfuhr, versicherte aber, es habe keinerlei politische Absicht bestanden. Zumal das französische "Je suis une bombe" auch mit "Ich bin eine Sensation" übersetzt werden kann.

(RP)