Paris: Frankreich liebt die Duft-Unterhose

Paris: Frankreich liebt die Duft-Unterhose

Männer-Slips mit dem Geruch nach Birne und Moschus sind bei den Franzosen der Renner.

Die berühmteste Unterhose der Nation setzt auf die Landesfarben weiß-blau-rot und auf Patriotismus: "Le slip français" ist in Frankreich innerhalb kurzer Zeit ein Ereignis geworden. Das gleichnamige, vor zwei Jahren gegründete Start-Up-Unternehmen stößt mit seinem "Made-in-France"-Konzept im wettbewerbsgeschädigten Land erfolgreich in eine Marktlücke. Die Slips, die von A bis Z in der Heimat hergestellt werden, gehen weg wie warme Semmeln. Der neueste Renner: Eine parfümierte Männerunterhose, die nach Birne und Moschus duftet.

"Es ist ein maskulines Parfüm, nicht zu stark, eher frisch", sagt Guillaume Gibault. Der 27-jährige Pariser Firmengründer hat die eigens entwickelte Essenz in winzige Mikro-Kapseln füllen und in die Stofffasern seiner Unterhosen einnähen lassen. "Sobald sich der Slip-Träger bewegt, entfalten die Duftkügelchen über die Reibung ihre volle Wirkung", sagt Gibault. "Wir wollten einen Duft, der ein Stück Frankreich erzählt, der an verlorene und wiedergefundene Zeiten erinnert, kurz: Einen Retro-Duft, der Nostalgie weckt."

Mit seiner "technologischen Revolution" und der ungewöhnlichen Geschäftsidee trifft Gibault offenbar einen Nerv. Über "Crowdfunding" im Internet – bei dem interessierte Investoren Geld in ein Projekt stecken können und dafür Anteile oder andere Gegenleistungen erhalten – hatte er in nur drei Wochen bereits die nötigen 10 000 Euro Startkapital zusammen. Als die Beteiligungs-Frist dann Anfang der Woche ablief, waren es schon über 22 000 Euro – doppelt so viel wie nötig. Die Produktion konnte daher früher als geplant beginnen. Die ersten Duft-slips entstehen derzeit in einer Fabrik im nordfranzösischen Lille und sollen in Kürze auf den Markt kommen. Dabei sieht Gibault mit seinem Strubbelkopf gar nicht aus wie ein Unternehmer, wenn er in der winzigen Küche unterm Dach des Familienhauses zum Kaffee empfängt. Auch die Idee, Unterwäsche herzustellen, kam eher durch Zufall zustande – durch eine Wette mit einem Freund. Gibault vertrat dabei die These, dass man unter dem Slogan "Made in France" alles verkaufen könne. Sein Kumpel bestand dagegen darauf, dass alles möglich sei, nur keine Unterhosen.

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Damals, Ende 2011, ging gerade der Dessous-Hersteller Lejaby pleite, einer der letzten, die noch im Land produzierten. Zu Hilfe kam dem Newcomer der beginnende Präsidentschaftswahlkampf und die Debatte darüber, wie die heimische Industrie gestärkt und vor Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland geschützt werden könne. Die Wahlkampfslogans der Kandidaten dichtete er zudem mit Wortwitz um und machte etwa aus François Hollandes damaligem "Le changement c'est maintenant!" (Der Wechsel, jetzt) den Spruch: "Jetzt die Unterhose wechseln!"

Heute, zwei Jahre später, ist "Le Slip français" eine landesweit bekannte Marke geworden. Das Unternehmen zählt inzwischen zehn Mitarbeiter, der Umsatz ist von Null auf 300 000 Euro gewachsen und könnte dieses Jahr gar stolze 700 000 Euro erreichen. Obwohl sie zu deutlich höheren Arbeitskosten in der Heimat produziere, sei seine Firma dennoch profitabel: Marketing und Verkauf finden vollständig im Internet statt, das spart Kosten. Dort wird bald auch der neue Parfüm-Slip für 35 Euro das Stück zu haben sein, voraussichtlich ab Mitte Juni – pünktlich zum 28. Geburtstag des findigen Newcomers.

(RP)
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