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Köln: Flaschenhalter soll Pfandsammlern helfen

Köln : Flaschenhalter soll Pfandsammlern helfen

Die Erfindung eines Kölner Produktdesigners wird in Köln derzeit getestet. Die Halterung soll vermeiden, dass Pfandsammler im Müll wühlen müssen. Denn das kann gefährlich und erniedrigend sein. Doch es gibt Kritik an der Idee.

Ein Stück Würde soll er denen zurückgeben, die für ihren Lebensunterhalt auf Flaschenpfand angewiesen sind. Diese Idee steht hinter dem "Pfandring", den der Kölner Produktdesigner Paul Ketz erfunden hat. Ein gelber Ring aus Edelstahl wird um einen Mülleimer herum montiert, in die Öffnungen können Passanten leere Pfandflaschen stellen anstatt sie in den Mülleimer zu werfen oder daneben abzustellen. Pfandsammler müssen so nicht mehr tief in die Tonnen greifen, um die Flaschen herauszuholen. Es besteht die Gefahr, sich an Scherben zu verletzen oder sich schlimmstenfalls mit Krankheitserregern zu infizieren.

2012 gewann der heute 28-Jährige mit seiner Erfindung den Bundespreis Ecodesign des Bundesumweltministeriums. "Danach hat das Produkt nach und nach immer mehr öffentliche Aufmerksamkeit bekommen", erzählt Pauls Bruder Fabian, der die Vermarktung des Pfandringes koordiniert.

Das fränkische Bamberg war die erste Stadt, die den Designer-Ring für ihre Mülleimer einführte. Auf zwei belebten Plätzen in der Innenstadt wird das Konzept seit Februar für ein Jahr getestet. Danach soll entschieden werden, ob weitere Mülleimer dafür in Frage kommen. In Köln hat die SPD im Stadtteil Ehrenfeld in den vergangenen Monaten Spenden gesammelt, um zehn Pfandringe installieren zu können. Die Südstadt hat nachgezogen, am Chlodwigplatz und an der Bonner Straße sollen zehn Pfandringe montiert werden. Auch in Karlsruhe hängen Pfandringe, in Hamburg wird zurzeit eine Abwandlung von Ketz' Erfindung getestet. Ein Ring kostet je nach Ausführung zwischen 150 und 300 Euro.

2013 lebten rund zwölf Millionen Menschen in Deutschland an oder unter der Armutsgrenze. Diese liegt bei rund 940 Euro Nettoeinkommen pro Monat als Single inklusive Sozialleistungen. Betroffene versuchen, sich durch das Pfandsammeln etwas dazuzuverdienen. "Viele Menschen brauchen das Pfand zum Überleben und das sind nicht nur Arbeitslose, sondern auch immer mehr Rentner", meint Fabian Ketz. Die Brüder wollen mit den knallgelben, auffälligen Ringen auf den Missstand hinweisen, dass in einem reichen Staat wie Deutschland das Pfandsammeln für viele Menschen der einzige Ausweg sei.

Der soziale Aspekt sei jedoch nicht der einzige Grund, warum es sich für Städte lohne, Pfandringe anzuschaffen. "Es stecken auch ökologische und ökonomische Gedanken dahinter", sagt Ketz. So fließe jedes Jahr ein dreistelliger Millionenbetrag an Pfand nicht in den Handel zurück, weil Pfandflaschen, die mit in den Müll geschmissen werden, mit diesem verbrannt werden. Zudem würden weniger Glasbruch und damit weniger Reinigungskosten für die Städte verursacht, da Passanten Glaspfandflaschen aus Respekt vor den Sammlern auf den Mülleimer stellen und sie von dort auf die Straße fallen.

Nicht alle sehen die Erfindung positiv. Uwe Becker, Sprecher der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, sieht das eigentliche Problem durch den Pfandring nicht gelöst. "Die gebeugte Haltung mit dem Griff in die Mülltonne ist Ausdruck der realen Armut in diesem Land. Dass wir uns diesen Anblick ersparen, ändert nichts an der wachsenden Armut", sagt er. Er schlägt deshalb vor, die Pfandringe zumindest mit politischen Botschaften zu beschriften, die Armut skandalisieren. Eine konkrete Idee hat er auch schon: "Wir beugen uns nicht der Armut."

Zudem hält er es für möglich, dass der Kreis der Sammler durch den Pfandring vergrößert werde. "Welcher taschengeldverarmte Jugendliche sollte nicht auf die Idee kommen, bei der Passage eines Pfandrings hier und da zuzugreifen, um sein Taschengeld auf praktische Art und Weise aufzubessern?", fragt Becker. Die, die es wirklich nötig hätten, würden dann eventuell weniger einnehmen als vorher. Schon jetzt gibt es extreme Beispiele von Pfandsammlern, die damit pro Festivalsaison bis zu 13 000 Euro verdienen.

Das betont auch Hubert Ostendorf, Geschäftsführer des Düsseldorfer Obdachlosenmagazins "Fifty-Fifty". "Der Pfandring verleitet dazu, dass Jugendliche den Bedürftigen die Flaschen wegnehmen. Diese Erfahrung haben wir vor unserer Galerie auf der Jägerstraße gemacht, wo wir eine Pfandflaschenabstellfläche ausgewiesen haben."

(RP)