Interview mit dem Berliner "Tatort"-Duo: Zehn Jahre Ritter und Stark

Interview mit dem Berliner "Tatort"-Duo : Zehn Jahre Ritter und Stark

Berlin (RPO). Seit zehn Jahren ermitteln die Berliner "Tatort"-Kommissare Ritter (Dominic Raacke) und Stark (Boris Aljinovic) gemeinsam. Raacke ist bereits seit 1999 als Ermittler zu sehen, Aljinovic kam 2001 als neuer Partner dazu. Im Gespräch verraten die beiden, wie sie über ihre Zukunft als TV-Kommissare denken. Zum Jubiläum zeigt der RBB am Sonntag den Krimi "Mauerpark" im Ersten.

Auf dem Gelände des gleichnamigen Berliner Parks wird die Leiche eines bekannten Anwalts gefunden. Die Ermittlungen führen die beiden Kommissare zu einem alten Fall aus den 80er Jahren.

Zu Beginn Ihrer Zusammenarbeit hatte der Sender erst einmal sechs Folgen angekündigt. An was für einen Zeithorizont hatten Sie gedacht?

Aljinovic: Ich glaube, das war eher eine gegenseitige Absicherung. Da diente die Sechs als Arbeitszahl.

Raacke: Der Sender wollte natürlich nicht, dass wir nach einer Folge sagen, jetzt haben wir keine Lust mehr und steigen wieder aus. Also war man verpflichtet, aber auch gleichzeitig eingebunden in sechs Filme. Aber bei einer Anfrage für den "Tatort" ist eigentlich klar, dass man das schon eine Weile macht, um zu schauen, wie sich das anfühlt und wie die Akzeptanz ist.

Und wie fühlt sich das an nach zehn gemeinsamen Jahren?

Raacke: Wie das so ist im Leben: Du sagst, zehn Jahre, boah, das ist ja eine ganz schön lange Zeit. Und wenn man die Bilder von sich oder von seinem Partner anguckt, da sah man noch wie ein Jüngelchen aus, und jetzt ist man grau und älter geworden. Und dann staunt man wiederum, dass schon zehn Jahre um sind.

Aljinovic: Natürlich blicke ich auch auf die Filme und die Veränderungen zurück - aber ich habe nicht wirklich ein Gefühl dafür. Jetzt kommt wieder der nächste Film, und die restlichen zehn Monate im Jahr mache ich sehr, sehr viele andere Dinge.

Die Figuren haben sich im Laufe der Jahre verändert. Ist das auch nötig, damit es nicht langweilig wird?

Raacke: Ich glaube, der "Tatort" zeichnet sich dadurch aus, dass er so veränderbar ist. Am Anfang hat man sich natürlich noch viel mehr Gedanken gemacht, wie sind die aufgestellt und was unterscheidet den einen vom anderen, weil man die Figur erst einmal kreieren muss. Mittlerweile finde ich allerdings schon, die müssten mal wieder neu geformt werden.

Wie das?

Raacke: Ich denke manchmal, Ritter müsste wieder ein bisschen mehr wie früher sein, allein bei den Klamotten. Ich habe mir jetzt zum Beispiel für den neuen Film ein Rüschenhemd ausgesucht. Ich würde es gerne wieder ein bisschen greller haben. Am Anfang wurde auch sehr mit seinen vielen Frauengeschichten gespielt. Das hat sich irgendwann verloren. Aber ich bin jetzt gerade in so einer Laune, wo ich sage, ich will ein bisschen mehr den alten Ritter zurück.

Sie schreiben auch beide selber. Würden Sie gerne mal für den "Tatort" ein Drehbuch schreiben?

Aljinovic: Ich finde das schwierig, weil ich nicht weiß, ob wir die Verantwortung dafür tragen können. Es gibt eine Redaktion und Drehbuchautoren, die auf einem harten Spielfeld arbeiten. Wir reden sehr viel über die Dramaturgie mit und werden auch gefragt. Aber es sollte eine Hierarchie geben, und wenn man die aufbricht, wird es schwierig. Dadurch beraubt man sich am Ende auch selber seiner Position vor der Kamera.

Raacke: Das glaube ich auch. Das ist ein bisschen wie ein Fußballspieler, der nebenbei noch Trainer ist. Ich glaube, man sollte sich auf seine Funktion konzentrieren. Aber wir können natürlich Anregungen geben. Wir sind so eng mit der Redaktion verbunden, dass da ein Dialog stattfindet.

Als Berliner "Tatort"-Kommissar leben Sie nach wie vor in München, Herr Raacke…

Raacke: Ja, und das genieße ich sehr. Von zehn Monaten in diesem Jahr war ich jetzt aber auch fast die Hälfte in Berlin. Ich bin schon Teilzeit-Berliner. Über die zehn Jahre hinweg habe ich bestimmt ein paar Jahre hier gelebt.

Glauben Sie, dass Sie noch einmal zehn Jahre "Tatort" machen werden?

Aljinovic: Ich glaube, am Anfang waren wir da nervöser, weil wir noch keine Leistung gezeigt hatten. Nun haben wir zehn Jahre Kontinuität hingelegt und etwas erreicht. Jetzt sagt man, es könnte jeden Tag aufhören.

Raacke: Das ist wirklich völlig offen. Man verdrängt das eigentlich und denkt nicht darüber nach. Ein bisschen ist das Ende beim "Tatort" wie der Tod. Aber selbst, wenn es so wäre, weiß ich, dass es auch ein Leben nach dem Tod gibt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Berliner "Tatort"-Kommissare ermitteln im Mauerpark

(DAPD/felt)
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