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ZDF Magazin Royale: Jan Böhmermann und die Neonazis in Sachsen

Böhmermann im ZDF : „Sachsen sind so gastfreundlich, dass sie erst einmal jedem zuhören – leider auch Nazis“

Im „ZDF Magazin Royale“ hat sich Jan Böhmermann die Frage vorgeknöpft, was Neonazis nach Sachsen zieht. Um seine Argumente zu untermauern, führt er das TV-Publikum an der Nase herum.

„Jetzt kommen wir zu etwas Lustigem: Nazis“, leitet Jan Böhmermann den Hauptteil seiner Sendung am Freitagabend ein. Wie gewohnt findet er lustige Formulierungen für ernste Fragen. „Dortmund-Dorstfeld war vor Kurzem noch das Wimbledon der Neonazi-Szene“, sagt er etwa, ehe er Burkhard Freier zitiert. Der Leiter des Landesamts für Verfassungsschutz in NRW mag noch keine Entwarnung geben, räumt aber ein, dass sich die Neonazi-Szene in andere Gebiete begebe. Das macht Böhmermann konkret. Zu den passenden Nachrichtenbildern sagt er: „Sachsen ist ein Ort, an dem Nazis noch Nazis sein können und sich das Gewaltmonopol der Polizei zurückholen.“

Böhmermann beteuert, seine Show solle nun aber kein „Sachsen-Bashing“ werden. Deshalb habe er einen Stargast aus dem Bundesland eingeladen. Nachdem er dessen beeindruckende DDR-Errungenschaften aufgelistet hat, tritt eben jene Gerda Sonnemann ins Studio – und schon gibt Böhmermann zu, dass die rotgewandete Diva gar nicht die echte Gerda Sonnemann sei. So wenig wisse das Westpublikum über Sachsen.

Böhmermann selbst hat zumindest eine Theorie über die Menschen in dem Bundesland: „Sachsen sind nicht besonders rechtsextrem, sondern so offen und gastfreundlich, dass sie erst einmal mit jedem reden und jedem zuhören – leider auch Nazis.“ Kaum war die Mauer gefallen, seien diese auch schon zur Stelle gewesen. Böhmermann erinnert an den prominenten Neonazi Michael Kühnen, der bereits vor der Wiedervereinigung im Osten auf Tour gegangen sei mit einem „Arbeitsplan Ost“.

Kühnens Jünger brachten den britischen Holocaust-Leugner David Irving zu einer „geschichtsrevisionistischen Märchenstunde“ nach Dresden. Seither gibt es dort jährliche Aufmärsche der Neonazis zu einem Anlass, den Böhmermann folgendermaßen beschreibt: „Am 13. Februar 1945 starben 25.000 Menschen beim Bombenangriff auf den schon damals fanatischen Nazi-Hotspot Dresden.“

Losgetreten hätten das alles also ein Brite und ein West-Neonazi. Der West-Ost-Verbindung bleibt Böhmermann auf der Spur. Im Jahr 2004 habe die NPD 9,2 Prozent der Stimmen für den sächsischen Landtag bekommen. Dort saßen dann Holger Apfel aus Hildesheim und Jürgen Gansel aus Leverkusen-Opladen – „so weit im Westen Sachsens, dass es schon NRW ist“. Auch der sächsische Verfassungsschutz wurde seit 1990 nur von Menschen aus Westdeutschland geleitet.

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Heute gäbe es bundesweit gut vernetzte Neonazi-Strukturen, die nicht die nötige Gegenwehr von Staat und Behörden bekämen. „Das hat Vorteile für alle“, erklärt Böhmermann. Wessis könnten das Naziproblem auf „die doofen Ossis“ schieben, und Ossis könnten behaupten, es gäbe bei ihnen nur deshalb so viele Nazis, weil sie sich von Wessis benachteiligt fühlten. Und dann holt Böhmermann zur Pointe aus: Seine Diva in Rot ist gar nicht die falsche Gerda Sonnemann. Es gibt überhaupt keinen sächsischen Star mit diesem Namen.