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Wolfgang Stumph in "Blindgänger" auf ZDF

Berlin : Der Kampf ums Bleiben

Wolfgang Stumph erzählt als Schauspieler und Koproduzent eine Flüchtlingsgeschichte in Dresden.

Knapp 300 Bombenentschärfungen in 2500 Einsätzen - das ist die Bilanz von Conny Stein (Wolfgang Stumph), als der Bombenentschärfer mit einem Präsentkorb vom Dresdner Kampfmittelräumdienst in den Ruhestand verabschiedet wird. Seine Frau Sanna (Ulrike Krumbiegel) erwartet ihn mit einer überraschenden Parisreise, die er jedoch schroff ablehnt. Daraufhin räumt die enttäuschte Gattin erst den Kühlschrank und dann die Wohnung. Derweil sucht die kleine Olga (großartig: Mia Kasalo) Unterschlupf bei Stein - das Flüchtlingskind hatte er bei seinem letzten Einsatz in einem Keller entdeckt. Olga soll nach Tschetschenien abgeschoben werden und führt ihn ganz schön an der Nase herum. Und dann sitzt ihnen noch der überforderte Beamte Mike Zirske (Franz Dinda) aus der Ausländerbehörde im Nacken.

Wolfgang Stumph ist auch Koproduzent des Films "Blindgänger" und spielt den Sprengmeister als griesgrämigen Muffkopf und Ordnungsfanatiker, der statt mit seinen Bomben öfter mal mit seiner Frau hätte sprechen sollen. "Der Mann braucht mal einen Gong, damit er etwas merkt", sagt seine Gattin, die Ulrike Krumbiegel mit großer Verletzlichkeit spielt. "Der Film ist kein Krimi und keine Komödie", sagte Wolfgang Stumph (68, Ex-Kommissar "Stubbe") über seine Rolle. "Es ist ein sehr emotionaler und humorvoller Film, der das Leben sehr aktuell in vielen Facetten widerspiegelt." Mit Dresden sei er unzertrennlich verbunden, es sei seine Heimatstadt. "Ich sehe es als meine Aufgabe, Sachsen und die Sachsen mit Ihren Leistungen und Schnurrigkeiten im wahrsten Sinne ins Bild zu bringen."

Stumph versuchte schon als Kabarettist, anzuecken und gegen den Strom zu schwimmen, der Versuch dazu in diesem Film darf weitgehend als gelungen betrachtet werden. Die Geschichte um ein Flüchtlingskind ist sehr aktuell, weil sie ausgerechnet in Dresden spielt, Schauplatz der islamkritischen "Pegida"-Demonstrationen. Die Dialoge sind wohltuend nüchtern, der Druck auf die Tränendrüse nimmt zum Schluss allerdings arg zu.

"Blindgänger", ZDF, 20.15 Uhr

(dpa)