Hannes Jaenicke: "Wilderer zu filmen wäre Selbstmord"

Hannes Jaenicke : "Wilderer zu filmen wäre Selbstmord"

Der Schauspieler drehte eine ZDF-Dokumentation über Elefantenjagd in Kenia. Am Donnerstag wird sie ausgestrahlt. Zuvor sprach er mit unserer Redaktion über Afrika, Wilderer und Elefanten.

Sie haben sich schon für viele Tiere eingesetzt, darunter Haie, Gorillas und Eisbären. Warum lagen Ihnen nun die Elefanten am Herzen?

Hannes Jaenicke In erster Linie war es eine Idee der Redaktion, das Thema Elefantenjagd aufzugreifen. Es ist letztlich auch völlig egal, mit welchem Tier wir uns beschäftigen, denn unsere Dokumentationen verfolgen einen Zweck: Wir wollen zeigen, was der Mensch mit seiner Umwelt, der Natur und dem Tierreich macht.

Das heißt, Sie haben gar keine besondere Beziehung zu Elefanten?

Jaenicke Als Kind war ich mit meinem Opa jede Woche im Zoo - das war damals immer ein großer Höhepunkt für mich. Ich fand Elefanten sehr faszinierend. Sie haben eine unglaubliche Masse, gleichzeitig sind sie sehr vorsichtig, sensibel und intelligent. Ein tolles Tier. Deshalb habe ich Elefanten als Kind auch sehr gern im Zirkus gesehen, muss ich sträflich gestehen. Das sehe ich jetzt ein bisschen anders, denn ich finde, wir brauchen dringend ein Gesetz, das Elefanten und Raubkatzen im Zirkus verbietet.

Was hat Ihre Meinung geändert?

Jaenicke Die wenigsten Menschen wissen, wie brutal Elefanten im Zirkus abgerichtet werden. Das ist ein unglaublicher Vorgang, über den es im Übrigen auch Filme gibt. In Österreich ist es längst verboten, das finde ich auch richtig.

Wie stehen Sie zu Elefanten im Zoo?

Jaenicke Das sehe ich etwas anders. Ich denke, wenn ein Gehege groß genug ist und die Tiere artgerecht gehalten werden, ist das in Ordnung. Leider ist das nicht in allen Zoos der Fall. Man darf aber auch nicht vergessen: Erst durch Zoobesuche werden viele Kinder an die Liebe zu Tieren herangeführt - ich damals auch.

Sie waren schon öfter in Afrika, haben dort häufig Elefanten in freier Wildbahn erlebt. Was haben Sie denn von dieser Filmreise nach Kenia mitgenommen?

Jaenicke Die Geschichte von Sisyphos. Wir waren in einem Elefanten-Waisenhaus, haben Menschen getroffen, die seit mehr als 30 Jahren nichts anderes tun als für das Überleben der Elefanten in Afrika zu kämpfen. In den Waisenhäusern werden sie aufgepäppelt, aber sobald man sie wieder freisetzt, werden sie erschossen und gewildert, um an das Elfenbein ihrer Stoßzähne zu kommen. Es ist schwer verdaulich, dass diese Arbeit ganz umsonst gewesen sein soll.

Was muss sich ändern?

Jaenicke Wir müssen aufklären. Man muss die Leute immer wieder über die Situation informieren. Viele Asiaten glauben, dass Stoßzähne nachwachsen oder Elfenbein Krebs heilt. Ich fände es auch nicht schlecht, wenn man bei den Chinesen mal über Wirtschaftssanktionen nachdenken würde. Das passiert mit anderen Ländern auch, zum Beispiel bei Russland oder Syrien. Denn man muss es leider so sagen: Fast jedes Tier, das derzeit vom Aussterben bedroht ist, kämpft gegen den chinesischen Markt - egal ob Orang-Utan, Hai oder Elefant. Warum wird das bei Wirtschaftsverhandlungen nie thematisiert?

In Ihrem Film zeigen Sie auch Bauern, die nichts gegen die Elefantenjagd haben, weil die Dickhäuter gerne Felder plündern und so mal schnell eine Jahresernte vernichten.

Jaenicke Richtig, aber das hat ja auch einen Grund. Die Elefanten werden immer mehr an die besiedelten Gebiete herangetrieben, weil ihr Lebensraum kleiner wird. Aber auch da gibt es bereits natürliche Ansätze, die Tiere von den Feldern fernzuhalten — zum Beispiel mit Bienenkästen, denn vor den Insekten haben die Elefanten Angst. Es ist ja nicht so, dass man etwas opfert, wenn man die Natur schützt. Ganz im Gegenteil. In Afrika verdienen die Menschen viel mehr Geld mit Safari-Tourismus als mit der Elefantenjagd.

Sie haben vor Ort den Finger in die Wunde gelegt. Hatten Sie Probleme bei den Dreharbeiten in Kenia?

Jaenicke Nein, denn wir haben auch nicht versucht, die Wilderer bei der Arbeit zu filmen. Das wäre absoluter Selbstmord, das würde niemand überleben.

Sie haben aber einen ehemaligen Jäger getroffen.

Jaenicke Ja, denn die Ehemaligen werden gerne von den Tierschützern engagiert. Schließlich kennen sie die Wege, die Wilderer wählen. Deshalb sind sie besonders wertvoll.

Dieser ehemalige Wilderer berichtet, dass man mit der Jagd eigentlich gutes Geld verdienen kann - doch oft würden die Jäger um ihren Lohn geprellt.

Jaenicke Das ist doch wie mit dem Drogenhandel. Der kleine Mann, der die Ware transportiert, wird immer übers Ohr gehauen. Reich wird stets nur die letzte Instanz, nämlich der Großhändler in China.

(RP)
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