Wetten, dass..?: Markus Lanz wird man nicht vermissen, die Show schon

215. und letzte Sendung : Markus Lanz wird man nicht vermissen, "Wetten, dass..?" schon

Eine Ära ist zu Ende gegangen: Mit einer der längsten Sendungen in der fast 34-jährigen Geschichte der Show hat sich "Wetten, dass..?" vom Bildschirm verabschiedet. Mehr als neun Millionen Zuschauer sahen die letzte Ausgabe.

Frank Elstner überzog bei der ersten "Wetten, dass..?"-Show am 14. Februar 1981 um satte 43 Minuten — er musste dem Publikum zunächst erklären wie das Prinzip der Sendung funktioniert und das brauchte Zeit. Das war bei der letzten Ausgabe wahrlich nicht mehr nötig, doch schaffte es Markus Lanz, die Sendezeit am Samstagabend um 64 Minuten zu überziehen. Das "heute-journal" begann erst kurz vor Mitternacht wurde erstmals an zwei Tagen ausgestrahlt.

Damit überbot Lanz aber nicht den Bestwert seines Vorgängers Thomas Gottschalk (73 Minuten zu viel). Doch anders als bei vielen "Wetten, dass..?"-Sendungen zuvor, waren die dreieinhalb Stunden dieses Mal nicht so schwer zu ertragen. Die Derniere schaffte es mit guten Wetten, munteren Gästen, spontanen Einlagen und emotionalen Bekenntnissen größtenteils gute Unterhaltung zu präsentieren — auch wenn Lanz dazu selbst nicht viel beitrug. Er stellte noch mal unter Beweis, dass er kein Entertainer ist. Diese Rolle übernahmen in der Abschiedsshow vor allem Michael "Bully" Herbig und Otto Waalkes. Fast schon mochte man ausrufen: Es geht doch!

Das Finale der Show aus Nürnberg schalteten 9,27 Millionen Zuschauer ein — immerhin rund vier Millionen mehr als bei den letzten Ausgaben seit der Sommerpause. Das ZDF hatte bei der 215. Sendung auf ein Klassentreffen der ehemaligen Moderatoren und der häufigsten Sofa-Gäste verzichtet und sich stattdessen auf eine Riege deutscher Comedians, Schauspieler und Sportler beschränkt, darunter die Fantastischen Vier, Helene Fischer, Wotan Wilke Möhring und Jan Josef Liefers. Boxer Wladimir Klitschko hatte kurzfristig abgesagt, da er Vater geworden war. Lanz begrüßte außerdem vier frühere Wettkandidaten im Publikum und zeigte einige "Weißt du noch?"-Momente, aber das war's dann auch schon.

Als letzter Gast aus Hollywood trat Ben Stiller auf, der anders als einige seiner Kollegen Zeit mitbrachte und sich nicht über alle Maßen zu langweilen schien, sondern den blinden Wettkandidaten Dave Janischak motivierte, der Umrisse von großen Puzzle-Teilen erkennt, indem er wie eine Fledermaus akustische Signale von sich gibt. Auch an den Übersetzungs-Späßen von Otto und Bully beteiligte sich Stiller ohne eine Miene zu verziehen, obwohl er längst nicht alles verstanden haben dürfte. Trotzdem war es zunächst ein Bruch in der bis dahin leichtfüßigen Sendung, als der Hollywood-Star die Bühne betrat: Plötzlich wurde alles förmlicher und beinahe staatstragend.

Zuvor hatten sich Otto, Bully und Elton einen amüsanten "Wer-wettet-für-den-Kandidaten-wer-gegen-ihn"-Schlagabtausch geliefert, aus dem Wettpate Elton als Verlierer hervorging. Mit Leberwurst auf der Wange musste sich Stefan Raabs Dauerassistent von einem Hund abschlecken lassen. Bei der Kinderwette hatte Paul Altmaier gewettet, dass er es schafft, Hunde an ihrem Schleckverhalten zu erkennen — mit ein bisschen Hilfe schaffte es der Siebenjährige tatsächlich.

Ein bissiges Abschiedsständchen brachten Bully und Otto dar: Sie sangen im Duett den Song "Arrivederci Lanz, das war dein letzter Tanz" und ließen das Saalpublikum im Rhythmus mitklatschen. Dazu inszenierten sie eine kleine Polonaise. Nach der Melodie von Frank Sinatras Hit "My Way" brachten Sie mit Ottos Gitarrenbegleitung außerdem: "Es war ein buntes Treiben, das lassen wir in Zukunft bleiben, für Markus Lanz ist heute Schicht. Wird er bezahlt? Ich hoffe nicht."

Zwei Jahre lang hatte Lanz versucht zu retten, was vermutlich nicht mehr zu kitten war, doch nun geht er als Totengräber der einstmals größten und erfolgreichsten Show Europas in die Fernsehgeschichte ein. Dieses Mal verhaute er sogar Routinepointen und verortete schließlich den Weihnachtsmann in der Bibel. Dabei sollte es zumindest das Talk-Element mit den Gästen sein, das Lanz mehr liegt als Comedy oder Entertainment. Doch in der letzten Sendung wurde auch das konterkariert — ausgerechnet durch Samuel Koch.

Dem ZDF war es gelungen, eine Rückkehr des vor vier Jahren in Düsseldorf verunglückten Wettkandidaten zu arrangieren. Lanz stellte ihm jedoch merkwürdig anmutende Fragen: "Wie geht es dir?" und "Wie ist es, in der Sendung zurück zu sein?". Dagegen wirkte selbst Til Schweiger sensibel, der Koch in die Sendung begleitete. Gemeinsam hatten Schweiger und Koch den Film "Honig im Kopf" gedreht, der bald in die Kinos kommen wird, und der das Thema Behinderung mit Gefühl und Komik thematisiert.

"Ich kann nicht behaupten, alles hat den und den Sinn", sagte Koch auf Lanz' Frage, ob er etwas Sinnhaftes in seinem Unfall habe erkennen können. Er versuche, "dem Ganzen an Un-Sinn zu nehmen", indem er sich für andere einsetze und eine Stiftung gründe. Über Lanz' Frage, wie es ihm gehe, ging der 27-Jährige hinweg. Samuel Koch absolvierte einen bewegenden Auftritt, parierte die Fragen mit überlegter Ernsthaftigkeit, die manchem Zuschauer einen Kloß im Hals bescherte.

Die mit Spannung erwarteten letzten Worte von Moderator Markus Lanz lauteten: "Machen Sie's gut, das Leben geht weiter — wetten, dass..?"Markus Lanz wird man nicht vermissen, "Wetten, dass..?" schon.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Samuel Koch zu Gast in letzter "Wetten, dass..?"-Show

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