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TV-Tipp des Tages: "Vorsicht vor Leuten"

TV-Tipp des Tages : "Vorsicht vor Leuten"

In der Verfilmung des gleichnamigen Romans von "Stromberg"-Autor Ralf Husmann glänzt Charly Hübner als verpeilter Schluffi, der unverhofft auf die Gewinnerseite wechselt.

Lorenz Brahmkamp (Charly Hübner) ist verheiratet, Mitarbeiter im Bauamt des Kaffs Osthofen und möchte ansonsten nicht weiter gestört werden. Ehrgeiz ist ihm völlig fremd, Ambitionen hält er für Symptome einer schweren Krankheit. Sein Lebensmotto fasst er in zwei Sätzen zusammen. "Ein Bier wird doch auch nicht besser, wenn man da Grapefruit reinpanscht. Eine Fortbildung wäre für mich praktisch wie Grapefruit."

Seine Frau Katrin (Hübners Ehefrau Lina Beckmann) treibt Lorenz' selbstzufriedene Antriebslosigkeit in die Verzweiflung. Die Duschtür, die er seit Wochen nicht repariert, ist es schließlich, die sie aus dem Haus treibt. Auch bei der Arbeit wird es für Lorenz plötzlich ungemütlich. Seinem Chef Herrn Kleinert (Jörn Hentschel) ist Lorenz' kultiviertes Nichtstun nicht entgangen, er stellt ihm den Rauswurf in Aussicht.

Da kommt plötzlich ein Auftrag rein, den Lorenz mangels anderer verfügbarer Mitarbeiter übernehmen muss. Der Selfmade-Millionär Alexander Schönleben (wunderbar schmierig: Michael Maertens) möchte mitten in das Kuhdorf Ostleben einen "Megapark" samt Golfanlage und anderen Luxus-Klimbim setzen, braucht dafür aber diverse behördliche Genehmigungen. Lorenz, angewidert von der Vorstellung, richtig arbeiten zu müssen, zertrampelt erst mal aus Frust die Blumen im Beet des Villenbesitzers Schönleben, wird von diesem aber mit unerwarteter Freundlichkeit überrumpelt.

Wie bei Loriot

Der solariumgebräunte Sonnenbrillenträger nimmt den verdatterten Amtsmitarbeiter scheinbar in seinen Reiche-Leute-Freundeskreis auf, was selbst Lorenz' Chef ein bisschen beeindruckt. Da auch der Bürgermeister schon längst Fan des Megaparks und vor allem der jungen Frauen auf Schönlebens Partys ist, gehört Lorenz plötzlich zur Osthofener High Society. Bei seiner Frau Katrin kommt das ziemlich gut an, und Lorenz sieht eine Chance, sie zurückzugewinnen. Er kauft sogar eine neue Duschtür.

Schönleben hat natürlich nicht vor, einen Megapark in Osthofen zu bauen, und auch seine Investoren wie der "Scheich von Emir" sind frei erfunden. Als er glaubt, dass ihn Lorenz bei seiner Hochstapelei ertappt hat, lädt er ihn und seine Frau nach Mallorca ein und beteiligt ihn an Immobilienbetrügereien. Lorenz, der immer noch nicht wirklich kapiert, wie ihm geschieht, hört nur Geld und sieht seine vor Glück quiekende Frau. Scheinbar hat er das große Los gezogen.

Der mit dem Grimme- und Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnete Autor Ralf Husmann ist der wohl beste Beobachter des kleinen deutschen Mannes seit Loriot. Ordentlich, spießig, und doch verlogen, wenn es das eigene Ansehen steigert, kämpft er sich durch sein abgesichertes Durchschnittsleben und hofft, dass seine Frau die Füße still hält. Das Drehbuch (Ralf Husmann und Peter Güde) wimmelt nur so vor herrlichen Sprüchen, die diese Einstellung perfekt auf den Punkt bringen. "Ich kann schon auch was wollen, wenn du das willst", sagt Lorenz mit treuherzigem Blick und versteht nicht, warum seine Frau nicht in Jubel ausbricht.

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Regisseur Arne Feldhusen, der schon bei "Ladykracher", "Mord mit Aussicht", "Der Tatortreiniger" und "Stromberg — Der Film" sein Können bewies, inszeniert die großartige Buchvorlage als herrlich lakonische Loser-Komödie, die Situationskomik in Perfektion liefert. Allein Lorenz' autogleicher Blick, als er zum ersten Mal ein reichen Rentner auf einem Segway erblickt, ist das Einschalten wert.

Außerdem kann ein Film nicht schlecht sein, wenn er Zitate wie diese enthält: "Der ist schwul wie ein ganzes Fernsehballett", "Manhattan ist weggekracht"; "Ich bin der Rächer mit dem Locher", "Heute bin ich untenrum komplett tierfrei".

"Vorsicht vor Leuten", Mittwoch, 25. Februar, 20.15 Uhr, ARD