Tatort "Glaube, Liebe, Tod": Verschwörung der Langeweile

Tatort "Glaube, Liebe, Tod": Verschwörung der Langeweile

Düsseldorf (RPO). Im Wiener "Tatort" drehte sich an diesem Sonntag alles ums Thema Sekte. Der "Glaube, Liebe, Tod" geriet dabei leider zu einer wenig aufregenden Mischung aus Bildungsfernsehen, Verschwörungstheorien und sattsam bekannten Allgemeinplätzen. Für Lichtblicke sorgte indes das Zusammenspiel von Harald Krassnitzer und seiner TV-Tochter Sarah Tkotsch.

Der Fall: Ein junges Mitglied der Psychosekte "Epitarsis" wird ermordet aufgefunden und der Wiener Sonderermittler beginnt mit seiner Arbeit. Es folgen 90 Minuten Krimi, die derart nach Schema F ablaufen, dass man zwischenzeitlich eine Genre-Parodie vermutete.

Die Psychosekte, die offensichtlich an Scientology erinnern soll, wehrt sich natürlich mit allen Mitteln gegen Eisners Ermittlungen. Da dauerte es nicht lange, bis auch die Tochter des Polizisten in die Fänge der Sekte gerät.

Und natürlich macht die junge Frau, immerhin Psychologie-Studentin (!), sofort die alberne Aufnahmeprüfung, ohne auch nur irgendwas zu ahnen. Übrigens nicht das erste Mal, dass die Autoren die gewohnt ahnungslose Polizisten-Tochter in Gefahr bringen.

In diesem Stil geht es weiter. Natürlich arbeitet ein führender Sektierer für die Staatsanwaltschaft. Und — natürlich — wird Eisner dann paranoid. Und siehe da: Eisners Chef trägt plötzlich einen auffälligen Ring. Au weia, die Freimaurer! Wer hätte das gedacht?

  • Zehn Gründe sich auf "Tatort" zu freuen

Dass am Ende eine verblendete "Epitarsis"-Jüngerin die Mörderin war, überraschte niemanden. Und natürlich konnte Eisner die eiskalte Sektenchefin nicht hinter Gitter bringen. Damit war zu rechnen.

Dass man von einem Krimi nicht das analytische Niveau beispielsweise des Scientology-Dramas "Bis nichts mehr bleibt" erwarten darf, liegt auf der Hand. Ein "Tatort" sollte dennoch überraschender, packender sein.

Dabei bringen die Hauptdarsteller eigentlich alles mit. Harald Krassnitzer und Sarah Tkotsch spielen glaubwürdig und liebenswert eine etwas andere Vater-Tochter-Beziehung. Und Kommissar Eisner darf immer wieder durchaus coole Dinge sagen. "I bi Beamter, ka Erlöser", raunte er am Ende der Mörderin zu. Leise Eisner-Coolness eben.

Bleibt nur zu hoffen, dass der nächste Fall des Sonderermittlers etwas einfallsreicher daherkommt.

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