Negativpreis der Journalistenvereinigung: "Verschlossene Auster" geht an Atomindustrie

Negativpreis der Journalistenvereinigung: "Verschlossene Auster" geht an Atomindustrie

Hamburg (RPO). Die vier großen Atomkraftwerksbetreiber RWE, Eon, Vattenfall und EnBW haben den Negativpreis der Journalistenvereinigung "Netzwerk Recherche", "Verschlossene Auster", erhalten. In der Begründung der Jury heißt es, die Konzerne hätten "beschönigt, beeinflusst und verheimlicht" und einen massiven Lobbydruck ausgeübt.

Die Kritik der Journalisten gilt dem "Informationsblockierer des Jahres". Der Laudator Heribert Prantl von der "Süddeutschen Zeitung" sagte, die Atomkonzerne hätten nicht abgeblockt, sondern "kommuniziert wie die Teufel", aber das Falsche, nämlich "gefährlich einseitige, marktmächtige Informationen". Die Auszeichnung gebe es etwa für den Lobbyismus, das Platzieren ihrer Leute an den "politischen Schaltstellen", das Herunterspielen von Unfällen und die "schleichend-beschönigende Beeinflussung der politischen Sprache".

Sämtliche Unternehmen hatten einen Vertreter zur Entgegennahme des Antipreises geschickt. In seiner Widerrede, die er stellvertretend für seine Kollegen hielt, sagte Eon-Sprecher Guido Knott, die Jury habe mit dieser Verleihung ihre eigenen Kriterien aus politischen Erwägungen verraten. Denn die Konzerne hätten lediglich eine abweichende Position vertreten, sich jedoch nicht verweigert oder blockiert. Die Konzerne wüssten, dass die Mehrheit derzeit Atomkraft ablehne.

Der Standpunkt der Konzerne sei hier ein anderer, den man offen und transparent deutlich mache. Dass bereits das Bemühen um Kommunikation dieser Position "ein Kritikpunkt ist, der zur Verleihung des Preises führte, haben Sie entschieden", sagte Knott. Die vier Konzerne seien bei der Verleihung vertreten, weil sie ihre Offenheit belegen wollten. Doch Knott erklärte, er nehme den Preis nur entgegen, er nehme ihn jedoch nicht an.

  • SPD und Union begrüßen Entscheidung : Lob und Kritik für "Grüne" Zustimmung zu Atom-Aus

Die "Verschlossene Auster" wird auf der alljährlich in Hamburg stattfindenden Konferenz der Journalistenvereinigung an eine Person oder Institution verliehen, die journalistische Anfragen besonders hartnäckig abblockt oder mit Floskeln abspeist.

Sie wurde zum zehnten Mal verliehen. Preisträger der vergangenen Jahre waren unter anderen die Katholische Kirche, der Bundesverband deutscher Banken, das Internationale Olympische Komitee, der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily und der Lebensmittelkonzern Aldi.

Hier geht es zur Infostrecke: Der Weg zum deutschen Atomausstieg

(apd/csi)
Mehr von RP ONLINE