1. Panorama
  2. Fernsehen

Düsseldorf: Vater wird aus dem Job gedrängt

Düsseldorf : Vater wird aus dem Job gedrängt

Tobias Moretti spielt in "Mobbing" einen Beamten, der unter dem Druck an seinem Arbeitsplatz leidet.

Häuschen im Grünen, Ehefrau mit zwei Kindern, einen attraktiven Job bei der Stadtverwaltung in einer bayerischen Kleinstadt: Kulturreferent Jo Rühler (Tobias Moretti) hat es geschafft. Doch als Jo eine neue Vorgesetzte bekommt, die ihn systematisch demütigt und seine Kompetenzen beschneidet, ziehen dunkle Wolken auf. Wie ein unsichtbares Gift zersetzt der Stress am Arbeitsplatz das Privatleben des Familienvaters, seine Ehe mit Anja (Susanne Wolff) steuert auf eine schwere Krise zu.

Der vom Bayerischen Rundfunk federführend produzierte Fernsehfilm "Mobbing" behandelt das brisante, schwer fassbare Thema auf überzeugende Art und Weise. Basierend auf dem Roman "Mobbing" der Freiburger Autorin Annette Pehnt ist es den Drehbuchautoren Eva Zahn und Volker A. Zahn beeindruckend gelungen, den beruflichen und persönlichen Abstieg eines erfolgsverwöhnten Endvierzigers in beklemmender Konsequenz nachzuzeichnen.

Dabei verzichtet das Fernsehdrama vollständig auf Szenen aus dem Arbeitsalltag, sondern konzentriert sich ganz auf die Auswirkungen auf die Familie. Während Jo seine Gesundheit vernachlässigt und immer mehr zum Zyniker wird, versucht sich seine Frau vergeblich als Motivationstrainerin. "Muss Papa sterben?", fragt ihr Sohn in einer Szene, als der Familienvater längst wie ein Schatten seiner selbst wirkt.

Als er die fristlose Kündigung bekommt, denkt er keine Sekunde lang an eine berufliche Alternative, sondern setzt alles daran, mit gerichtlichen Mitteln seine Wiedereinstellung zu erreichen. Dass er dafür einen hohen Preis zahlen muss, wird ihm aber erst viel zu spät bewusst.

Dank der profilierten Hauptdarsteller entwickelt sich der Film von Regisseurin Nicole Weegmann zu einem packenden Psycho-Drama, das lange nachwirkt. Der Österreicher Tobias Moretti vermittelt glaubhaft den Abstieg eines Erfolgsmenschen. Susanne Wolff, Mitglied des Ensembles des Deutschen Theaters in Berlin, gibt eine starke Vorstellung als Partnerin ab, die hilflos den Kollaps ihrer Ehe mitansehen muss.

"Mobbing", Arte, 20.15 Uhr

(DPA)