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Echo-Gala in Berlin: Udo begeistert — Pocher nicht immer

Echo-Gala in Berlin : Udo begeistert — Pocher nicht immer

Düsseldorf (RPO). So viel Spaß gab's bei der Echo-Verleihung schon lange nicht mehr. Udo Lindenberg nannte sich nach seiner Auszeichnung die "Nachtigall aus Panikhausen", Oliver Pocher witzelte mit Co-Moderatorin Barbara Schöneberger und Peter Fox wird mit jedem Preis, den er verliehen bekommt, noch sympathischer. Doch es gab auch peinliche Momente. Sehr peinliche sogar.

Wenn es noch irgendwen in Deutschland gibt, der mit Udo Lindenberg oder dessen Musik nichts anfangen kann, dann sollte sich das bei der Echo-Verleihung geändert haben. Mit schüttelnden Händen und Beinen wackelte der Alt-Rocker auf die Bühne, um sich - wie immer mit Sonnenbrille und Hut - seine Auszeichnung abzuholen. Der 62-Jährige wurde als "Bester Künstler National Rock/Pop" geehrt - und das 17 Jahre nachdem er bereits eine Auszeichnung für sein Lebenswerk bekommen hat.

"Hinterm Lebenswerk geht's weiter", sang Lindenberg in Anlehnung an einen seiner größten Hits. Danach stellte er sich dem jungen Publikum noch einmal vor. "Hier sind ja viele junge Leute am Start, die denken sich, was ist das denn für ein Newcomer mit dem Hut", sagte er. "Die kennen die ganzen alten Dinger gar nicht." Richtig auf der einen, amüsant auf der anderen Seite.

Ebenso wie die ungefragte Aussage über die Arbeiten zu seinem Album "Stark wie zwei", mit dem er zum ersten Mal überhaupt Platz eins der deutschen Charts belegte. Das sei nicht allein von Menschenhand mit den "Geheimräten" Stefanie von Silbermond, HipHopper Jan Delay und Trompeter Till Brönner gemacht, sondern "da waren auch spiritualistische Spezialkräfte am Werk". "Da liegt man breit unterm Mischpult und denkt, da passieren wundersame Dinge."

Das mögen sich auch die "Scorpions" gedacht haben, als sie in den Achtziger Jahren sowohl in den USA, als auch in der Sowjetunion Millionen Platten verkauften - und endlich bei der größten deutschen Musikgala für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurden. Den Hannoveranern gehörte der letzte Auftritt des Abends. Und mit diesem reihten sie sich ein in eine Schar von unterhaltsamen Musik-Beiträgen.

Depeche Mode feierten mit "Wrong" in typischer Depeche Mode-Manier die Weltpremiere ihrer neuen Single - faszinierend. Bono und U2 sangen vor einer bizarren Lichtshow "Get On Your Boots" - freakig. Kate Perry, von einer Grippe gezeichnet und ganz allein mit einer Gitarre auf der Bühne, trällerte ebenfalls ihre neue Single "Thinking Of You" - schön. Lionel Riche bat Stefanie Heinzmann zu "Aint No Mountain High Enough" zum Duett - bemerkenswert. Udo Lindenberg watschelte im Raumanzug über die Bühne und nuschelte "Woddy Woddy Wodka" - großartig.

Doch es gab auch einige sehr unangenehme Auftritte. Dazu gehörte die Darbietung von "Alex swings Oscar sings", dem deutschen Beitrag zum Eurovision Song Contest in Moskau. Mit guter Musik hatte das wenig zu tun. Allerdings kann man davon ausgehen, dass die Punktelieferanten aus Ost-Europa das Werk von Alex Christensen als so gut bewerten, dass Deutschland immerhin nicht mit null Punkten nach Hause fahren muss.

Auch von Schlagermusik mag man halten, was man will - doch Model-Coach Bruce Darnell, der Sängerin Helene Fischer mit gleich zwei Echos ehrte, zog die Schlagersängerin nach ihrem Auftritt mit seinem wirren Gerede mit in das bodenlose Loch der Peinlichkeiten. Unangehem.

Nicht viel besser machten es die ehemalige Sängerin Jeanette Biedermann und Fußball-Nationalspieler Arne Friedrich. Beide stammelten irgendwas vorher Abgesprochenes daher, verhaspelten sich aber ein ums andere Mal und standen plötzlich da, ohne was zu sagen. Sehr peinlich.

Und auch das Benehmen der Stars hätte ein bisschen aufmerksamer sein können. Gleich neben der Bühne trafen sich die, die sich Hoffnungen auf eine Auszeichnung machen durften, und vertrieben sich die mehr als dreistündige Show mit Plaudereien unter deutschen Stars und Sternchen. So bekam Peter Fox zunächst gar nicht mit, dass er auch den dritten Echo abräumte. Doch da der Berliner Sänger es schafft, mit jeder Ehrung sympathischer zu werden, mag man ihm diesen Fauxpas nochmal verzeihen.

Zu weit gegangen ist allerdings Moderator Oliver Pocher, als er auf die Ankündigung Lionel Richies, am 20. April (Hitlers Geburtstag) in Berlin aufzutreten, sagte, dass es "ein spezieller Tag für uns" sei - peinlich. Ansonsten war das, was Pocher und Co-Moderatorin Barbara Schöneberger zwischen Preisverleihungen und Musik-Auftritten an Überleitungen boten, durchaus unterhaltsam. Wie der gesamte Abend.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So feiert Udo Lindenberg seinen Echo