TV-Nachlese zu "Hart aber fair": Hirnforscher Manfred Spitzer vergleicht Handy-Nutzung mit Rauchen

TV-Nachlese zu „Hart aber fair“ : Hirnforscher vergleicht Handy-Nutzung mit Rauchen

Geht es nach Hirnforscher Manfred Spitzer, ist der Gebrauch eines Smartphones bei Jugendlichen sogar noch schlimmer als Rauchen. Bei Frank Plasberg musste er sich mit seiner personifizierten Horrorvorstellung auseinandersetzen.

Darum ging’s Moderator Frank Plasberg diskutierte mit seinen Gästen am Montagabend die Frage, wie gefährlich Smartphones für Kinder und Jugendliche sind. In Frankreich gilt seit Kurzem ein Handyverbot an den Schulen. Plasberg fragte, ob Deutschland das nun nachmachen müsse.

Darum ging’s wirklich Um ein mögliches Handyverbot an Schulen wie in Frankreich ging es nur am Rande. Stattdessen mündete die Sendung in einen wissenschaftlichen Schlagabtausch. Der Hirnforscher Manfred Spitzer, der für seine ablehnende Haltung gegenüber Smartphones bekannt ist, polarisierte mit seinen Studien und Fallzahlen gegen Handykonsum von Jugendlichen. Die anderen Gäste reagierten skeptisch auf die Ausführungen.

Die Gäste

  • Manfred Spitzer, Hirnforscher
  • Thomas Heinze, Schauspieler
  • Yvonne Gebauer, FDP, NRW-Schulministerin
  • Anne-Sophie Briest, Schauspielerin und Mutter eines YouTube-Stars
  • Jöran Muuß-Merholz, Medienpädagoge

Der Frontverlauf

Die Sendung kannte nur eine Front: die gegen den Hirnforscher Manfred Spitzer. Der Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm ist vielen Menschen aus dem Fernsehen bereits bekannt, weil er die gesundheitlichen Risiken der Smartphone-Nutzung stets betont. Geht es nach Spitzer sind Smartphones geradezu todbringend: Schlafstörungen, Depressionen, Diabetes, Bluthochdruck, Demenz. Spitzer ist sich sicher und kann das auch mit zahlreichen wissenschaftlichen Studien untermauern: Das Smartphone ist die Ursache fast aller modernen Zivilisationskrankheiten. „Wenn man alle Folgen zusammenzählt, dann ist Rauchen fast ein Klacks dagegen“, sagte Spitzer. Moderator Frank Plasberg fragte erstaunt nach, was Smartphone-Konsum mit Diabetes zu tun habe. Wie sich herausstellte, einen direkten Zusammenhang gibt es nicht. Spitzer verwies jedoch auf die Folgen von Schlafmangel infolge exzessiver Smartphone-Nutzung am Abend, die auch Diabetes begünstigen könnten.

Gegen ihn diskutierten in der Sendung hauptsächlich Anne-Sophie Briest, Schauspielerin und Mutter eines YouTube-Stars, und Medienpädagoge Jöran Muuß-Merholz. Er gab gleich zu Anfang der Sendung zu, dass er nicht ohne sein Smartphone kann. Die übrigen Gäste, unter anderem die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer, hielten sich ziemlich zurück.

Später in der Sendung hatte dann noch Faye Montana, besagter YouTube-Star und Tochter von Anne-Sophie Briest, ihren Auftritt. Sie muss der personifizierte Smartphone-Zombie sein, den Spitzer stets vor Augen hat, wenn er über die krankmachenden Smartphones schimpft. Doch die 15-Jährige wirkte gar nicht krank, sondern höchstens ein bisschen eigenwillig: Eines ihrer YouTube-Videos wurde zunächst gezeigt, in dem sie ihren Zuschauern verkündet, nach der zehnten Klasse die Schule verlassen zu wollen. „Ich will lieber meine Karriere vorantreiben“, sagte sie. „In der Schule lerne ich so viel Mathe und Physik, dabei bin ich lieber kreativ.“ Sie wolle ihr Abitur lieber online machen. Viele Eltern würden vermutlich trotzdem darauf beharren, dass ihr Kind die Schule zu Ende macht. Nicht so Anne-Sophie Briest. Man konnte den Eindruck bekommen, dass sie es ganz in Ordnung findet, wenn ihre Tochter sich lieber mit „Final Cut pro“ (einem Schnittprogramm) beschäftigt. Viele lernten das erst auf der Uni, ihre Tochter habe sich das aber bereits mit zehn Jahren selbst beigebracht, schwärmte die Mutter. Briest hatte zuvor für ein Schulfach Medienkunde an Schulen plädiert, in dem Schüler unter anderem lernen sollten, wie man sich elektronisch für ein Studium bewirbt.

Schließlich sorgte Moderator Plasberg am Ende der Sendung selbst für eine Relativierung der Diskussion. Er stellte die Warnung vor Smartphones als Alarmismus dar: Plasberg zitierte aus einem Wörterbuch von 1809, in dem das Wort „Lesesucht“ definiert wird. Davon, dass Kinder heutzutage zu viel und zu häufig lesen, träumt wahrscheinlich nur Manfred Spitzer.

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