Tom Buhrow vom WDR und Ulrich Wilhelm vom BR ließen Rückendeckung für Mitarbeiter vermissen.

Reaktion auf „Oma-Gate“ und Gutjahr-Vorwürfe : WDR- und BR-Intendanten lassen Rückendeckung für Mitarbeiter vermissen

Zwei unterschiedliche Fälle, zwei Reaktionen. WDR-Intendant Tom Buhrow ist mit seinem Verhalten in der „Umwelt-Sau“-Affäre in die Kritik geraten, gegen BR-Intendant Ulrich Wilhelm wurden ebenfalls schwere Vorwürfe erhoben.

Vielleicht nennt man das Krisenmanagment: dieses blitzschnelle und finale Eingreifen einer Führungskraft, wenn irgendetwas aus dem Ruder zu laufen droht. Wenn Entschiedenheit allein verhindern könnte, dass Konflikte eskalieren, hätten die Intendanten Tom Buhrow (WDR) und Ulrich Wilhelm (BR) in den vergangenen Tagen einiges richtig gemacht. Denn Buhrow (61) meldete sich noch vom Krankenbett seines 92-jährigen Vaters aus zu Wort, entschuldigte sich für die Satire über Oma als „Umweltsau“ und ließ das Video aus dem Angebot löschen. Wilhelm (58) reagierte auf die Klagen seines früheren Mitarbeiters Richard Gutjahr über mangelnde Unterstützung gegen rechte Hass- und Hetz-Attacken aus dem Netz, indem sein Haus erklärte, die Angriffe gegen Gutjahr seien „beschämend“, die Vorwürfe gegen den Intendanten aber strikt zurückzuweisen. Gutjahr, der auch eine Kolumne für unsere Redaktion schreibt, war zur Zielscheibe von Verschwörungstheoretikern geworden, nachdem er zufällig am Ort zweier Tragödien war und über diese berichtet hatte. Seine spontan aufgezeichneten Beiträge wurden ungekürzt gesendet und machten ihn so zur Zielscheibe.

Innerhalb weniger Tage zeigten zwei Führungskräfte öffentlich-rechtlicher Sender zwar entschiedene Reaktionen, ließen indes das vermissen, was man Loyalität nennt. Eigene Mitarbeiter wurden nicht geschützt, sondern der Kritik ausgeliefert. In beiden Fällen haben Chefs ihre Pflicht zur Verantwortung nicht angenommen, sondern delegiert. Das aber widerspricht einer Ethik von Verantwortung, die an Macht gekoppelt ist und damit den Machtlosen schützen kann.

Das „Oma-Gate“ und der Gutjahr-Skandal sind mehr als nur ein Fall unterlassener Rückendeckung und ein Beispiel mangelnder Führungskraft. Weil inzwischen die Frage gestellt wird, wer sich etwa übers Umweltsau-Lied des WDR-Kinderchores empört. Bricht an diesem harmlosen Beispiel tatsächlich ein Generationenkonflikt auf, der lange unter der Oberfläche schlummerte? Wer erregt sich da überhaupt? Das glauben Social-Media-Analysten inzwischen herausgefunden zu haben. Danach wurde die scheinbare Empörungswelle von rechten Twitter-Accounts ausgelöst. Schon bald war dort von einer „Instrumentalisierung von Kindern“ die Rede; und dass sich all das bei den Öffentlich-rechtlichen abspielen konnte – also in dem von extrem Rechten kritisierten „Gebührenfunk“ – war ein gefundenes Fressen. Über den konstruierten Aufschrei berichteten dann viele andere Medien. Auch Selbstkritik ist also angebracht. Doch die Intendanten werden sich fragen müssen, wie sie ihre eigene Verantwortung verstehen und wahrnehmen wollen. Das sogenannte Volksempfinden war früher schon eine Chimäre, in Zeiten sozialer Medien droht sie ein gefährliches Monstrum zu werden.