"Wetten, dass...?" in Friedrichshafen: Timberlake trumpft auf, Lanz geht baden

"Wetten, dass...?" in Friedrichshafen: Timberlake trumpft auf, Lanz geht baden

Dank 100 Männern in Frauenkleidern und Stöckelschuhen wird es für Markus Lanz am Sonntag eisig. Der "Wetten, dass..?"-Moderator verlor die Stadtwette in Friedrichshafen und muss nun im knapp vier Grad kalten Bodensee ein Bad nehmen. Die fünfte von ihm moderierte Ausgabe überzeugte vor allem durch starke Wetten und einem glänzend aufgelegten Justin Timberlake.

Wie machte sich Markus Lanz?
Der Moderator war stets bemüht den Unterhaltungs-Faktor hoch zu halten und lieferte eine souveräne Vorstellung ab. Zu mehr reichte es dann aber auch nicht. Die Versuche, dass Publikum mit seinem Enthusiasmus anzustecken, gelangen nur selten, die Gespräche mit seinen Gästen wirkten oft unnötig in die Länge gezogen und ließen die nötige Lockerheit vermissen. Daran konnte auch seine Assistentin Cindy aus Marzahn ("the princess of Plattenbau") nicht viel ändern.

Wie waren die Stars auf der Couch?
Mit Ausnahme vom bestens aufgelegtem Justin Timberlake hatte die geladene Runde nur wenig zu bieten. Dschungel-König Joey Heindle und Dschungelvize-Königin Olivia Jones durften sich um die erfolgreiche Gestaltung der Stadtwette kümmern und wurden anschließend nicht weiter vermisst. Skilegende Hermann "Herminator" Maier trat ebenfalls kaum in Erscheinung und war offensichtlich nur Gast, um von seinem spektakulärem Sturz bei den Olympischen Spielen 1998 im japanischen Nagano zu berichten. Michael Mittermeier hätte sich das ZDF gleich sparen können. Der Komiker fiel lediglich durch eine denkbar misslungene Oliver-Kahn-Imitation auf (zu der er allerdings von Lanz gedrängt wurde) und Kahn selbst nahm sich während der Show immer mehr zurück. Schauspieler Axel Prahl zeigte sich indes gut gelaunt, fiel aber nicht weiter auf. Seine Schauspiel-Kollegin Simone Thomalla geriet derweil nur ins Schwitzen, als Lanz ihr drohte, sie müsse zu einem Rammstein-Song "headbangen" (den Kopf im Takt der Musik schütteln), falls sie mit ihrem Wett-Tipp falsch liege. Thomalla ("Ich habe eine Stunde für meine Haare gebraucht") hatte Glück, tippte richtig und musste sich keine Sorgen um ihre Frisur machen. So war es schließlich Justin Timberlake, der in die ansonsten lahme Runde neuen Schwung brachte. Der Schauspieler und Musiker nahm nach seinem Auftritt auf der Couch platz, scherzte und war sich für keinen Spaß zu schade. Schade war allerdings, dass Timberlake die Show dann doch noch aus Termingründen vorzeitig verlassen musste.

Wie waren die Wetten?
"Jetzt kommen wir zu den eigentlichen Stars bei "Wetten, dass...?", sagte Markus Lanz und brachte es am späten Abend auf den Punkt. Die Wetten waren spannend, unterhaltsam und gut gewählt. Vor allem aber ließen sie den Zuschauer nach meist drögen Gesprächsrunden wieder mitfiebern. Am Schluss setzte sich Daniel Rall, der mit seinem Fahrrad 20 Bierflaschen (alle ohne Etikett) artistisch öffnete, mit 67 Prozent der Zuschauerstimmen durch und darf sich über ein neues Auto freuen. Zuvor mutierte Reinhold Sack zu einem "menschlichen Wagenheber" und bewies, dass auch ein 66-Jähriger noch topfit sein kann. Drei jeweils 170-Kilogramm schwere Karts wurden von ihm so angehoben, dass seine Kollegen alle vier Reifen wechseln konnten. Beeindruckend war auch die Leistung der 7-jährigen Lina Mai Nguyen, die bei der Kinderwette Worte in den so genannten Ascii-Code übersetzte. Dabei galt es einem Buchstaben eine achtstelligen Zahlenfolge zuzuordnen. Wahre Präzisionsarbeit lieferten zwei Hamburger ab, die sich aus einem fahrenden Reisebus heraus Fußbälle zuspielten: Der eine drosch den Ball aus der Beifahrertür gegen eine Wand, der andere musste die Kugel an der hinteren Tür stehend fangen. Etwas unter ging hingegen die Wette von zwei Turnerinnen, die ihre Mannschaftskameradinnen an dem Geräusch, dass sie beim Handstand-Überschlag erzeugten, erkennen wollten.

Sonst noch was?
Den Schlusspunkt der Sendung setzte Heino, der seinen aktuellen Cover-Hit "Junge" (im Original von den "Ärzten") zum Besten gab. Der Auftritt des Altstars wirkte etwas albern, lässt den einen oder anderen jetzt aber vermutlich besser verstehen, warum die Original-Interpreten mit seinen Cover-Versionen nur wenig einverstanden sind.

Hat sich das Einschalten gelohnt?
Ja, mit Luft nach oben. Die fünfte von Lanz moderierte Ausgabe "Wetten, dass...?" hatte klare Stärken und Schwächen. Stark waren vor allem die Wetten und der Kurzauftritt von Justin Timberlake, schwach war der Unterhaltungswert, den die geladenen Gäste auf der Couch zur Sendung beitrugen. So ganz ohne Hollywood-Glamour scheint es dann doch nicht zu gehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Wetten, dass...?" in Friedrichshafen

(sgo)
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