Krimi-Dreharbeiten: Til Schweigers "Tatort"-Bedingungen

Krimi-Dreharbeiten: Til Schweigers "Tatort"-Bedingungen

Am Sonntag zeigt die ARD die Schweiger-Premiere. Faktisch hat der Darsteller das Krimi-Format zu seinen Bedingungen übernommen: Seit den WDR-Zeiten von Harald Schmidt hat sich kein öffentlich-rechtlicher Sender mehr derartig von seinem Star über den Tisch ziehen lassen wie der NDR von Til Schweiger.

Daher wundert es wenig, dass Schmidts Geschäftspartner, der frühere Sat.1-Boss Fred Kogel, als Schweigers Berater dem NDR die Bedingungen für den "Tatort"-Einsatz diktiert hat. Sie lauten einfach und überschaubar: Schweiger bekommt alles, was er will.

Mehr Geld, andere Produktionsfirma

Dass sein "Tatort" 24 statt 22 Drehtage und ein Budget von 1,6 statt 1,3 Millionen kostete (alles noch viel zu wenig, befand der Darsteller in einem Interview), fällt dabei am wenigsten ins Gewicht. Als erstes jagte Schweigers Entourage die Produktionsfirma vom Hof. Normalerweise werden die Hamburger Tatorte von "Studio Hamburg", einer 100-Prozent-Tochter von NDR media produziert. Die Schweiger-"Tatorte" stellt nun ein Gemeinschaftsunternehmen von Studio Hamburg und der Münchner Constantin Film her. Bei Constantin ist Schweiger-Berater Kogel der Aufsichtsratsvorsitzende. Der NDR gab für den Wechsel der Produktionsfirma "inhaltliche Gründe" an.

"Wo Til Schweiger draufsteht, ist auch Til Schweiger drin", erklärte der Darsteller "Spiegel-Online": Entsprechend großzügig haben Schweiger und seine Crew ignoriert, dass auf dem 90-Minüter mit dem Titel "Willkommen in Hamburg" immer noch "Tatort" draufsteht, doch das ist tatsächlich nur noch die Hülle für einen typischen Schweiger-Film mit Schweiger-Darstellern.

Auswahl der Darsteller

  • Fotos : Bilder aus dem ersten Tatort mit Til Schweiger

Wie in seinen Kino-Filmen, muss eine seiner Töchter (diesmal Luna) seine Filmtochter spielen. Normalerweise hat deren jüngere Schwester Emma das Abo auf diese Rolle ("Kokowääh"). Der NDR ließ nun aber zu, dass Luna, die laut Interviews noch nicht so richtig weiß, ob sie mal Schauspielerin werden will, zumindest für die insgesamt vier vereinbarten Folgen mit Schweiger eine feste "Tatort"-Rolle bekommt. Woran der Sender eine entsprechende Begabung der 16-Jährigen erkannt haben will, ist dem fertigen Film nicht zu entnehmen.

Und auch jede Menge andere Schweiger-Spezies füllen den Bildschirm. In der gewalttätigen Handlung den Boxer Arthur Abraham als Gast unterzubringen, dürfte nicht weiter schwer gefallen sein. Der künftige "Tatort"-Kommissar Wotan Wilke Möhring hat ebenfalls einen Gastauftritt und darf sich von "Nick Tschiller" (Schweiger) auf der Toilette Tipps geben lassen. Für Schweiger inzwischen offenbar so unverzichtbar wie seine Töchter ist Fahri Yardim, der den Partner von Nick Tschiller spielt, und auch schon in den Schweiger-Filmen "Keinohrhasen", "1 1/2 Ritter", "Kokowääh" und "Schutzengel" agierte.

Einfluss auf Drehbuch und Regie

Yardim ist allerdings wirklich ein Gewinn für den Schweiger-"Tatort", den er um schauspielerische Leistung bereichert. Die hat Til Schweiger noch nie jemand nachgesagt, weshalb der Darsteller so viel Einfluss auf das Drehbuch und die Regie genommen hat, dass das Ergebnis seinen Fähigkeiten entspricht. Nick Tschiller schießt mehr, als er spricht, was ja bei Schweigers Genuschel ohnehin schwer zu verstehen ist. Alle weiblichen Rollen lieben ihn oder bewundern zumindest seinen Hintern. Es fließt Blut, gern aus Schweigers Gesicht, es fliegen Fäuste, gern in die Gesichter anderer, und nach erfolgreichen Gewaltausbrüchen gibt Tschiller/Schweiger den einfühlsamen Papa, der Lenny ein weiches Ei zu kochen versucht.

Da Kritik an seiner Arbeit nach Schweigers Meinung unbegründet ist und sich nur durch Hass erklären lässt, hat er auch die Presse-Arbeit zum "Tatort" unter seine Regie gebracht. Vor Interviews ließ das Schweiger-Team sich umfangreiche Eingriffsrechte zusichern, weshalb etliche Medien dankend verzichteten. Wirklich beurteilen kann Schweigers Arbeit nach seiner Ansicht ohnehin nur er. Nach einer Kino-Vorführung seines "Tatorts" am Donnerstag sagte er dem "Hamburger Abendblatt": "Ich bin sehr zufrieden. Der ,Tatort' ist schnell, jung, unterhaltsam und spannend. Die Leute waren begeistert. Um ehrlich zu sein, habe ich es aber auch nicht anders erwartet." Dann ist ja gut.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das war die Premiere des "Tatort" mit Til Schweiger

(RP/sap)
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