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Wir haben die erste Folge schon gesehen: Til Schweiger im "Tatort": Baller, baller

Wir haben die erste Folge schon gesehen : Til Schweiger im "Tatort": Baller, baller

Ja, Til Schweiger ist einer der erfolgreichsten Schauspieler Deutschlands. Ja, seine Filme sind Kassenschlager. Und ja, das ist bewundernswert. Denn Schweiger ist ein großer Star, der ein sehr kleiner Darsteller geblieben ist. Seine schauspielerischen Fähigkeiten sind bis heute auf dem Niveau seiner "Jo Zenker"-Rolle in der Lindenstraße stehengeblieben. Kaum jemand ist ungeeigneter als Til Schweiger, um einen "Tatort"-Kommissar zu spielen.

Dem NDR ist das egal. "Mit unserem ersten Til-Schweiger-,Tatort' haben wir eines schon erreicht", sagt Intendant Lutz Marmor: "Die Leute reden darüber."

Das Ziel, ins Gerede zu kommen, hat der NDR in der Tat schon weit vor dem 10. März erreicht, an dem die erste Til-Schweiger-Folge "Willkommen in Hamburg" ausgestrahlt wird. Für Schweiger hat der NDR nicht nur den üblichen Kostenrahmen (1,3 Millionen Euro, 22 Drehtage) ausgeweitet, sondern das Krimi-Format in Richtung eines Action-Streifens nach amerikanischem Vorbild überdehnt.

Das wird Zuschauer finden, die mehr Freude an Schuss- als an Dialogwechseln haben. Aber filmisch funktioniert es nicht. Für überzeugende Action-Szenen reicht das "Tatort"-Budget einfach nicht aus.

"Alarm für Cobra 11" für Arme

Besonders dramatisch scheitern Kamera, Schnitt und Regie bei einer Szene, in der Schweiger zu Fuß einen Kleinbus verfolgen und eine Geisel befreien soll. Teils sieht das Ergebnis aus wie eine Folge "Alarm für Cobra 11", nur mit weniger Autos und kleineren Explosionen. Was die Kamera einfängt, ist trotz anlassloser Gewalttätigkeit und reichlich Blut immer noch nicht laut genug, um Schweigers Schwächen zu überdecken.

Dass Til Schweiger sich bei seinem Kino-Publikum mit dem "Tatort"-Engagement einen Gefallen tut, darf man bezweifeln. Seine Darstellung leidet zudem daran, dass er natürlich alle bisherigen Kommissare überbieten muss.

Schimanskis erstes Wort auf dem Bildschirm war "Scheiße". Schweigers LKA-Ermittler Nick Tschiller sagt "Fuck". Und in den folgenden ersten Minuten erschießt der wild gewordene Bulle drei Gangster. "Wir nehmen hier Verdächtige fest und verhören sie", schreit ihn sein Vorgesetzter an. "Das wollten die aber nicht", gibt Tschiller/Schweiger zurück.

Auch Schweigers Tochter ist an Bord

In der verworrenen Geschichte um Zwangsprostitution hat der Schauspieler wieder seine Tochter Luna untergebracht, die leider das Talent ihres Vaters geerbt hat.

Ein echter Gewinn ist Fahri Yardim, der mit Schweiger bereits in dessen Kinofilmen "Keinohrhasen", "1 1/2 Ritter", "Kokowääh" und "Schutzengel" spielte.

Im Tatort ist er Tschillers Kollege Yalcin Gümer. Die meiste Zeit liegt er mit einem Laptop im Krankenhaus — und spielt aus dieser Position den wild wütenden Schweiger sehenswert an die Wand.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bilder aus dem ersten Tatort mit Til Schweiger

(RP/csr)