Temptation Island 2019 bei RTL: Brüste, Kondome und Tränen

RTL-Show „Temptation Island“ : „Thhhemptäihhhschöhhhn“

Fremdschämen hat einen neuen Namen: „Temptation Island.“ Die Auftaktfolge von der „Insel der Versuchung“ am Mittwochabend treibt selbst gestandene Trash-TV-Zuschauer in die Fernseh-Abstinenz.

Der „Bachelor“, die „Bachelorette“, „Schwiegertochter gesucht“, „Love Island“, „Adam sucht Eva“, und wie sie alle heißen: Was passiert wohl, wenn man alle streitbaren Kuppel-Formate im TV nehmen, sich nur das Schlechteste heraus suchen, und diesen Mix aus Niveaulosigkeit dann senden würde? Das durften alle erleben, die am Mittwochabend RTL eingeschaltet und – ob sie es zugeben wollen oder nicht – die neue Reality-Show „Temptation Island – Versuchung im Paradies“ angesehen haben.

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„Insel der Versuchung“ passt aber nur bedingt. „Insel der Verruchung“ oder „Insel der Verrohung“ wären weitaus treffender. Denn in dieser Sendung fasst sich selbst der größte Fan des „Dschungelcamps“ dauerhaft an den Kopf. Mit gesundem Menschenverstand ist es nicht mehr zu erklären, dass sich tatsächlich vier Paare dazu bereit erklären, ihre teilweise langjährige Beziehung im Fernsehen zerstören zu lassen. Oder wie die Sendungsmacher sagen: „ihre Treue zu testen.“

Dazu trennen sich die Pärchen für zwei Wochen und ziehen in zwei Villen. Dort warten auf die Männer elf „sexy Single-Frauen“ und auf die Frauen elf „sexy Single-Männer“. Deren Job ist es, die Vergebenen zum Fremdgehen zu verleiten – oder wie eine Kandidatin sagt: „Wenn er seine Freundin für mich verlässt, wäre das der ideale Fall.“ Man muss kein Paartherapeut sein, um zu wissen, dass das Konzept von Temptation Island beziehungstechnisch keine gute Idee ist.

Darüber scheinen sich die Paare nicht unbedingt im Klaren zu sein. Lena ist mit Robin schon fünf Jahre zusammen und will einen letzten Test, ob die beiden eine gemeinsame Wohnung kaufen sollten. In der nächsten Sekunde sagt sie aber: „Ich weiß, dass er das niemals kaputt machen würde.“ Ja, wofür denn dann die Teilnahme an der Show?

Standfeste Männer brauchen Kondome

Nicht viel sinnvoller ist das, was Pärchen Lisa und Janis von sich geben. „Ich will sehen, wie standfest unsere Beziehung ist“, sagt Lisa. Standfest? Benutzt man das nicht in einem anderen Kontext? Zum Glück springt Janis seiner Noch-Freundin hilfreich zur Seite: „Man will ja beweisen, dass man wirklich standfest ist.“

Apropos Standfestigkeit: In den Schlafzimmern der vergebenen Männer und Frauen haben die Sendungsmacher Wagenladungen Kondome abgeladen. Das ist auch Single-Lady Maria aufgefallen, wie sie Pärchen-Mann Salvatore gleich mitteilt: „Die könnt ihr gar nicht verbrauchen. Es sei denn, ihr bumst jede von uns zweimal pro Nacht.“

Die anderen Singles disqualifizieren sich derweil ebenfalls mit geschmacklosen Statements. Von „Vergebene Männer? Ja, das schmeckt“ bis „Ich bin die ultimative Bitch“ ist alles dabei. Damit der Zuschauer auch wirklich weiß, mit wem er es zu tun hat, blendet RTL immer wieder Bauchbinden ein, die die wichtigsten Eigenschaften der Kandidaten herausstellen. Da wäre zum Beispiel „Chris (27), steht auf kleine Brüste“ oder „James (22), mag schöne Hintern“.

Fast so nervig wie diese peinlichen Sprüche sind die Sequenzen, mit denen RTL oft von einer Szene zur anderen überleitet. Zu einem verrucht, flüsternd, aus dem Off gehauchten „Thhhemptäihhhschöhhhn“, schwingen die Kandidaten mit kaum Stoff am Körper abwechselnd eine lodernde Fackel phallusartig durch die Nacht.

Das grenzt an Masochismus

Übrigens sind nicht nur die Teilnehmer niveaulos, sondern auch die manipulative Art der Sendungsmacher. Am Ende eines jeden Tages bekommen die vergebenen Männer und Frauen jeweils Ausschnitte aus dem Tag ihrer Liebsten zu sehen. Was ihnen dort gezeigt wird, verfälscht die Ereignisse aber total. Die Singles geben in Folge eins zwar schon alles, um die Vergebenen rumzukriegen – inklusive blankziehen am Pool. Dieser Avancen erwehren sich die meisten bis dato jedoch tapfer. Und sagen immer wieder in die Kamera, dass sie ihre Partner vermissen. Davon sieht der oder diejenige aber nichts. Stattdessen werden Szenen komplett sinnentfremdet zusammengeschnitten und mit derart großem Interpretationsspielraum versehen, dass sie wahrscheinlich eine Hannelore und ihren Werner am Tag der Goldhochzeit noch verunsichern würden. Es grenzt schon an Masochismus sich freiwillig anzusehen, wie der eigene Partner sich scheinbar sündhaft mit anderen amüsiert – ob das dann stimmt oder nicht.

Moderatorin Angela Finger-Erben verunsichert die Teilnehmer noch zusätzlich, indem sie sie mit ihren penetranten Fragen immer weiter in eine Richtung drängt. „Hättest du damit gerechnet, dass er nach zwei Tagen schon so weit geht?“, fragt sie etwa die sowieso schon zweifelnde Christina, und bringt sie so tatsächlich noch in Folge eins zum Heulen.

Die schluchzt und sagt unter Tränen: „Das könnte noch ganz schlimm werden.“ Besonders für den Zuschauer. Denn „Temptation Island“ ist kein Trash mehr, das ist Müll.

Wann läuft Temptation Island 2019? Die neue Sendezeit

Und so geht es weiter mit Temptation Island: Nachdem die erste Folge noch an einem Mittwochabend, dem 6. März, ausgestrahlt wurde, sendet RTL die weiteren Folgen der Staffel bis zum 14. April immer sonntags im Zeitraum ab 22 Uhr.