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"Team Wallraff": Recherchen beim DRK - eklatante Missstände aufgedeckt

RTL-Enthüllungssendung : „Team Wallraff“ recherchiert beim DRK - und deckt eklatante Missstände auf

Das „Team Wallraff“ hat verdeckt beim Deutschen Roten Kreuz recherchiert. Dabei sind sie auf intransparente Strukturen und Missstände gestoßen. Derweil beklagen Krankenhäuser Engpässe bei Blutspenden.

Das „Team Wallraff“ hat für die neueste Ausgabe hinter die Kulissen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) geschaut. Den Angaben des Senders RTL zufolge recherchierten mehrere Reporter Undercover über einen Zeitraum von anderthalb Jahren „in den wichtigsten Bereichen“, in denen das DRK aktiv sei.

Dabei hätten sie die Struktur einer Organisation kennen gelernt, die „oftmals intransparent agiert und sich dabei dem Vorwurf aussetzt, nicht mehr den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, sondern Geld und Macht“.

„Wallraff“ zeigte am Montagabend das Geschäft mit den Blutspenden, stellte die Frage, wohin die Gelder fließen und warum bei einer gemeinnützigen Organisation die Gehälter der führenden Manager nicht offengelegt werden. So gäbe es bereits auf der ganzen Welt die Bestrebung, den Blutverbrauch bei Operationen zu reduzieren und dadurch auch die benötigten Blutspenden zu reduzieren. Beim sogenannten „Patient Blood Management“ wird die OP beispielsweise blutsparend ausgeführt und das Blut des Patienten aufgefangen, gereinigt und dem Patienten wieder zugeführt. Eine Maßnahme, die laut Wallraff-Team dem DRK als Zulieferer und „Profiteur“ der Blutspenden nicht entgegen käme.

Auf die Bitte einer Stellungnahme des DRK antwortete die Anwaltskanzlei des DRK demnach, man weise den Vorwurf mangelnder Transparenz oder Bereicherung zurück: „Wir haben unserem Mandanten (…) geraten, diese anhaltslosen Fragen nicht zu beantworten.“

Das Team rund um Enthüllungsjournalist Günther Wallraff zeigte auch Missstände in der Pflege und Versorgung: In Stuttgart zum Beispiel dokumentiert ein Reporter undercover, wie hochqualifizierte Sanitäter einfache Krankentransporte in Rettungswagen übernehmen, die in der Folge bei akuten Notfällen ausfallen könnten. In Köln wird eine als Teilzeitbeschäftigte in der Notrufzentrale getarnte Reporterin mehrmals alleine zum Einsatz geschickt, obwohl sie keinerlei medizinische Kenntnisse besitzt und auch nicht die vorgeschriebene Ersthelfer-Ausbildung erhalten hat. Eine Reporterin dokumentiert in einer Berliner Kleiderkammer, wie selbstverständlich diese als Selbstbedienungsladen für Mitarbeiter genutzt wird.

„Was wir in gut anderthalb Jahren verdeckter Recherche in den einzelnen Tätigkeitsbereichen aufgedeckt haben, ist höchst bedenklich: Missstände, Fehlverhalten und eine Mauer des Schweigens. Ich hoffe, dass wir mit unseren Enthüllungen zu einer breiten Diskussion beitragen, der sich das Rote Kreuz, transparent und ehrlich stellt“, sagte der Journalist Günter Wallraff zu der Ausstrahlung. Dennoch weist auch der Sender darauf hin: Blutspenden sind wichtig und notwendig.

Auch in Düsseldorf macht das Deutsche Rote Kreuz derzeit Schlagzeilen: Es geht um die Kündigung einer langjährigen Mitarbeiterin.

Im Sommer riefen Krankenhäuser und das DRK zu Blutspenden auf

Nach der ersten Corona-Welle im Frühjahr kehrten viele Krankenhäuser langsam zum Normalbetrieb zurück. Weil dann versäumte Operationen nachgeholt wurden, riefen im Juni Kliniken und das Deutsche Rote Kreuz in Nordrhein-Westfalen verstärkt zur Blutspende auf.

Eine Sprecherin der Uniklinik Düsseldorf sagte, dass zu dieser Zeit rund 30 Prozent Mehrbedarf an Spenderblut bestehe, der nicht gedeckt sei. Auch ein Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes West in Ratingen gab an, dass die Vorräte knapper würden. Besonderer Bedarf bestehe bei den seltenen Blutgruppen. Mit seinen Vorräten deckt das DRK rund drei Viertel des Blutbedarfs in NRW ab.

Auch die Uniklinik Aachen benötigte im Sommer wieder mehr Blut. „Mit der Rückkehr zur Normalität werden die Menschen auch wieder aktiver, es passieren mehr Unfälle“, so eine Sprecherin der Uniklinik. Blutkonserven seien die Voraussetzung für medizinische Arbeit. „Gibt's kein Blut, gibt's keine OP!“, betonte ein DRK-Sprecher. Insbesondere werde die Blutgruppe Null negativ gebraucht, weil sie universal einsetzbar sei. Und gerade diese – und andere Blutgruppen mit negativem Rhesusfaktor – fehlen.

Ehemalige Corona-Kranke können mit ihrem Plasma Infizierten helfen

Genesene Covid-19-Patienten könnten mit einer Plasmaspende Corona-Erkrankten helfen, warb die Uniklinik Bonn. „Die spezifischen Eiweiße sorgen dafür, dass der Körper den Eindringling erkennt und bekämpft“. Die Gabe von Antikörpern soll bei einem schwerwiegenden Verlauf von Covid-19 helfen.

„Im Jahr gibt es bei der Blutspende immer Schwankungen», sagte die Sprecherin der Uniklinik Düsseldorf. Während der akuten Phase der Corona-Pandemie seien weniger Menschen zur Spende gekommen, aus Angst sich anzustecken. „Dann kamen aber wieder mehr Menschen, vermutlich weil sie wegen Homeoffice eher flexibel waren und helfen wollten.“

Auch Transfusionsmediziner warnen in der Corona-Krise vor Engpässen bei Blutprodukten. Die Blutspenden seien bereits zu Beginn der Pandemie zurückgegangen, berichtete die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) im September. Viele Spender seien aus Angst vor Ansteckung ferngeblieben, sagte der DGTI-Vorsitzende Hermann Eichler. Zugleich seien manche Blutprodukte nur sehr begrenzt haltbar, teils nur einige Tage.

„Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass wir die Lager regelmäßig mit neuen Blutspenden auffüllen können, um den Bedarf zu decken“, sagte Eichler. Im Sommer gehe die Zahl der Spender ohnehin zurück. Bei der Spende herrsche keine Infektionsgefahr. Die Blutspendedienste hätten ihre ohnehin strengen Hygienestandards weiter erhöht.

Mit der Kampagne #missingtype machen das DRK und das Bayerische Rote Kreuz (BRK) unter dem Motto «Erst wenn's fehlt, fällt's auf» auf fehlende Blutkonserven aufmerksam. Bei einer Erstspende müssen Interessierte zwischen 18 und 68 Jahren alt sein. Männer dürfen sechs Mal im Jahr spenden, Frauen nur vier. Interessierte können beim DRK, bei Unikliniken und staatlichen Kliniken spenden, es gebe aber auch private Anbieter, so ein DRK-Sprecher.

(lha/dpa)