Team Wallraff deckt Missstände in Psychiatrien auf - auch in der Eifel

Juristische Androhungen und Abmahnungen : Team Wallraff deckt Missstände in Psychiatrien auf

RTL-Journalisten haben ein Jahr lang zu den Zuständen in psychiatrischen Einrichtungen in ganz Deutschland verdeckt recherchiert. Dabei stießen sie auf massive Widerstände. Die Eindrücke, die die Reporter mitbringen, sind bedrückend.

Bereits vor Ausstrahlung der neuesten RTL-Reportage vom „Team Wallraff“ haben die Reporter deutlich gemacht: Hier geht es um ein wirklich heikles Thema. Um 7 Uhr am Montag veröffentlichte das Team auf Facebook ein Video. Darin sagt der Kölner Enthüllungsjournalist Günter Wallraff, dass in dieser Massivität noch nie versucht worden war, die Sendung vorab zu verhindern.

Es ging um die Zustände in verschiedenen psychiatrischen Einrichtungen in ganz Deutschland. Nach Hinweisen von Zuschauern und ehemaligen Patienten schleusten sich die Reporter verdeckt in Frankfurt, Stuttgart, Berlin und in Wanderath in der Eifel ein. Mehr als ein Jahr lang hat das Team recherchiert. Günter Wallraff ist für diese Art Reportagen bekannt. Immer wieder recherchieren er und sein Team undercover und wollen so Notstände aufdecken. RTL zufolge hatten den Sender dieses Mal bis zum Mittag vor der Ausstrahlung zahlreiche juristische Androhungen und viele Abmahnungen erreicht. Wallraff selbst ist überzeugt: „Hier wird es von Seiten der Behörden und der Politik Reaktionen geben müssen.“

In der Eifel ging es laut dem Sender um das „Case Projekt, eine Jugendhilfeeinrichtung und Wohneinrichtung für Menschen mit psychischen Problemen. Informant war Justin, inzwischen 18 Jahre alt. Er litt laut RTL an ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) und sagte, er sei während seiner Zeit in der Einrichtung weggesperrt und gewürgt worden. außerdem habe er vier Monate lang auf dem Flur übernachten müssen und sei mit Medikamenten vollgepumpt worden.

Das Team schleust eine Reporterin als Betreuerin auf Probe ein. RTL zufolge ist sie ausgebildete Diplom-Pädagogin und soll sich nun um verhaltensauffällige Jugendliche kümmern. So bekommt sie einen Eindruck von der Einrichtung. Dort erfährt sie auch vom „Deeskalationsraum“, ein Raum ohne Tageslicht, Toilette oder Videoüberwachung. Die Einrichtungsleitung bestreitet auf Anfrage von RTL, dass Jugendliche in diesem Raum eingesperrt werden.

Ein weiterer Undercover-Reporter, der als Praktikant in der Einrichtung anheuert, fliegt wenige Tage später auf. Sein Videomaterial wird teilweise beschlagnahmt.

Auch in den anderen Einrichtungen stoßen die Reporter auf Missstände. In Frankfurt beispielsweise wird eine Reporterin Zeugin, wie drei junge Männer mit Gurten fixiert werden.

In einem Video, das während der Sendung auf der Facebook-Seite von „Team Wallraff“ veröffentlicht wurde, beantwortet Reporterin Stefanie Albrecht Fragen zu ihren Erlebnissen. Sie betont, dass es sicherlich viele gute Einrichtungen in Deutschland gebe. In den Einrichtungen, in denen sie war, habe sie allerdings beobachtet, dass zu viele Patienten auf den Zimmern waren, dass oft viele Medikamente verabreicht werden und dass das Personal nicht ausgereicht habe. So sei eine Atmosphäre von Gewalt und Aggression entstanden. „Wie soll man da gesund werden?“, fragt die Reporterin.

Ihrer Meinung nach sollte sich der Blick auf psychische Erkrankungen generell ändern. „Jeder von uns kann in so eine Krise geraten. Darüber hinaus gibt sie den Strukturen Schuld an den Missständen und fordert mehr Transparenz und unabhängige Kontrollen. „Ich dachte, eine Psychiatrie sei ein Ort, wo man aufgefangen wird. Das war aber teilweise nicht so.“

(zim)
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