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"Tatort: Verfolgt": Verschwörungstheorie trifft Schweiz-Klischee

"Tatort: Verfolgt" aus Luzern : Verschwörungstheorie trifft Schweiz-Klischee

Weniger Idylle war nie: Der Schweizer "Tatort" kommt als kühler Thriller zwischen Verschwörungstheorie und Bankenskandal daher. Das funktioniert. Wenn man sich auf die recht krude Geschichte einlässt.

Eifersucht ist so etwas wie der Evergreen unter den Mordmotiven im "Tatort". In letzter Zeit taugt es aber bestenfalls noch als falsche Fährte. So auch im jüngsten Fall "Verfolgt" des Ermittlerteams Reto Flückinger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) in Luzern. Dabei ist alles so schön zweideutig: Der Geliebte des Mordopfers fühlt sich verfolgt, der eifersüchtige Ehemann ist immerhin arbeitslos — da wird es einer von beiden ja wohl gewesen sein.

So ist es selbstverständlich nicht. Das weiß auch der "Tatort"-Zuschauer und muss also mit auf eine wilde Tour der Verschwörungstheorien, jedenfalls dann, wenn er auch in den letzten 70 Minuten noch Spaß haben will an diesem überaus ansehnlich inszenierten Film von Regisseur Tobias Ineichen.

Mit treibenden Beats, kühlen Farben und spannenden Kamerafahrten schafft es Ineichen, uns in die paranoide Welt des IT-Spezialisten Thomas Behrens mitzunehmen. Wird er wirklich verfolgt? Bildet er es sich nur ein? Und wer beobachtet seine Frau? Die klaustrophobische Dichte der ersten 15 Minuten ist eindrucksvoll — leider schafft es "Verfolgt" nicht, das Thriller-Versprechen bis zum Ende einzuhalten.

Stattdessen gibt es Klischees. Über Schweizer Banken im Allgemeinen und den Verwicklungen mit deutschen Behörden im Speziellen (Stichwort: Steuer-CD!). Bis zur Unglaubwürdigkeit hochgejazzt kommt der Staatssekretär aus Berlin nach Luzern, lobt die Schweizer Idylle und hat dabei so offenkundig Übles im Sinn, dass er auch ein — mäßig gespielter — Bösewicht in einem James-Bond-Film sein könnte.

Über den eigentlichen Skandal erfährt der Zuschauer viel zu wenig, um ihn auf Plausibilität abklopfen zu können. Also Augen zu und durch? Besser nicht. Denn hübsch anzusehen bleibt "Verfolgt" bis zum Ende. Allein das Wohnhaus von Familie Behrens (mit preisverdächtiger Rampe statt einer Treppe) ist eine Augenweide. Und das Kreuzverhör der beiden Hauptverdächtigen gehört zum Besten dieses Genres seit Langem.

Trotzdem lebt "Verfolgt" zu sehr vom Ungefähren, Oberflächlichen und vom Klischee. Da stehen Ur-Schweizer Vokabeln wie Trottoir und Parkieren Banken-Begriffen wie Compliance und Offshore-Geschäften gegenüber. Doch das gut gemeinte Anliegen der Macher, verleiht dem Film am Ende leider nicht die nötige Tiefe für einen richtig packenden Thriller.

Fazit: Auch das ist nicht der erhoffte Durchbruch für das Schweizer-Team — aber ein ordentlicher Thriller. Am nächsten Woche dann Bewährtes: Ein "Tatort" aus München.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Tatort" aus Luzern: Viel Thriller, noch mehr Klischees

(hip)