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Tatort Stuttgart heute im Check - So gut ist "Das ist unser Haus" mit Lannert und Bootz

„Tatort“ aus Stuttgart : Neun Hippies und ein Todesfall

In „Das ist unser Haus“ kommt harmoniesüchtigen Häuslebauern die Realität samt Leiche dazwischen. Ein locker-leichter, vergnüglicher Einblick in den Stuttgarter Speckgürtel.

Nachnamen sind überbewertet. Da sind sich Ulrike, Wendelin und Kerstin, Marco und Udo, Martina und Karsten, Viktoria und Birgit einig. Nachnamen bringen nur schlechte Schwingungen, und die sollen gefälligst draußen bleiben, jenseits der Mauern ihres Gemeinschafts-Wohnprojekts „Oase“, das nach fünf Jahren basisdemokratischer Planung endlich steht. In Ostfildern im Stuttgarter Speckgürtel, oder, wie man hier im Schwabenländle sagt: Oschtfildern. An der Grenze dieses Molochs, dieser bösen Außen- zur heilen Innenwelt aber ballen sich die Probleme.

Erstens ist da ein undichter Keller, weil die Bio-Dichtmasse falsch verarbeitet wurde. „Mir könnet alles wieder aufbuddele und neu versiegele“, erklärt der Fachmann. „Oder wollet’s Ihr ein Schwimmbad im Keller? Dann machet mir’s Loch wieder zu und ganget heim.“ Schwäbisch ist ein seltsamer Dialekt, denkt man sich, und, zum Inhaltlichen: Das war ziemlich deutlich. Kerstin aber wirft ganz unironisch ein: „Vielleicht ist Wasser im Keller ja auch zu irgendwas gut? Vielleicht ist das für uns einfach ’ne Chance, unsere Einstellung zu ändern!“ Da weiß selbst die Klangschale von Matriarchin Ulrike nicht, wohin mit sich – und auch Birgit und Viktoria feuern spitze Sprüche ab. Marco geht derweil Udo an, wegen dessen Wahl der Dichtmasse, und zwar auf eine Weise, die fortan den Goldstandard für den Begriff „passiv-aggressiv“ bildet.

Man möchte diesem ökologisch-pädagogisch wertvollen Treiben ewig zusehen, doch dann finden die Arbeiter in der unplanmäßig wiederhergestellten Baugrube eine Leiche. Und schnell deutet alles darauf hin, dass es sich dabei um eine ehemalige Kandidatin für die Quasi-Kommune handelt.

 Hereinspaziert! Ulrike (Christiane Rösinger) bringt Bootz (Felix Klare) und Lannert (Richy Müller, rechts) in den Gemeinschaftsraum.
Hereinspaziert! Ulrike (Christiane Rösinger) bringt Bootz (Felix Klare) und Lannert (Richy Müller, rechts) in den Gemeinschaftsraum. Foto: dpa/Benoit Linder

Angesichts dessen bröckelt die Phalanx der neun Bewohner; es entspringt eine wahre Kaskade gegenseitiger Verdächtigung und Verleumdung, die Eifersüchte und Eitelkeiten aller Art ans Tageslicht bringt, Lebenslügen selbstredend sowieso.

Die Ermittler ringen um Fassung. „Supernase“ Thorsten Lannert (Richy Müller) versucht unermüdlich, das Positive zu sehen. Sebastian Bootz (Felix Klare) hingegen fremdelt mit den Idealisten – und steht damit an der Seite der bodenständigen Bauarbeiter. Die fluchen noch Jahre später über die dauernden Gruppensitzungen, deren Ergebnis im Zweifel sei, das Dach solle „mit Knäckebrot“ gedeckt werden.

Daniel Bickermann (Buch) und Dietrich Brüggemann (Buch, Regie und Musik) hatten den Stuttgartern bereits den gelungenen Fall „Stau“ serviert. Auch „Das ist unser Haus“ ist famose Sonntagabendunterhaltung. Ein fluffig-leichter, wirklich lustiger Film, dem man die Freude der Macher und Mitspieler ansieht. Mit wachem Auge für manche Auswüchse des sogenannten Bionade-Bürgertums, aber ohne Zynismus. Gutmenschen mögen keine besseren Menschen sein als du und ich, und erst recht nicht perfekt; aber besser als Schlechtmenschen sind sie allemal.

„Tatort: Das ist unser Haus“, Das Erste, So., 20.15 Uhr