1. Panorama
  2. Fernsehen

"Tatort" Stuttgart: "Du allein" - die Rache einer Frau | TV-Nachlese

„Tatort“-Nachlese : Die Rache einer Frau

„Du allein“ ist der 25. Fall des Stuttgarter Teams Lannert/Bootz und eines Jubiläums absolut würdig. Spannend bis zum Schluss, berührend und mit einer hervorragend besetzten Nebenrolle.

Worum ging es? Ein Unbekannter erschießt in Stuttgart scheinbar wahllos Menschen und will drei Millionen Euro erpressen. Als die Lösegeldübergabe scheitert und das Morden weitergeht, erkennen die Stuttgarter „Tatort“-Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare), dass es doch eine Verbindung zwischen den Opfern gibt und die Erpressung sie davon ablenken soll.

Worum ging es wirklich? In Wahrheit ist es die Geschichte einer Frau, die ihre große Liebe rächt und vier Menschen, die sie für seinen Tod verantwortlich macht, töten will. Sie war jahrelang die Geliebte, und als der Mann sich endlich für sie entscheidet, stirbt er im Vorraum einer Bank an einem Herzinfarkt, weil ihm niemand hilft. Die Rückblenden, in denen von dieser Liebe erzählt wird, sind besonders berührend, weil sie so viel Wärme und Glück ausstrahlen.

Gibt es ein reales Vorbild? In Essen gab es vor einigen Jahren einen ähnlichen Fall. Ein 83-Jähriger war im Vorraum einer Bank kollabiert, mehrere Bankkunden holten Geld oder Kontoauszüge, ohne ihm zu helfen. Einige von ihnen mussten sich deshalb vor dem Amtsgericht verantworten. Im Krimi stellen sich die Polizisten die Frage, ob es einen moralischen Unterschied macht, ob man einem Obdachlosen oder einem Schreinermeister, den man für einen Obdachlosen hält, die Hilfe verweigert. Natürlich macht es das nicht. Im Krimi wurde der Fall nicht verfolgt, weil man jemanden nur wegen unterlassener Hilfeleistung anklagen kann, wenn derjenige auch erkannt hat, dass ein Mensch in Not ist.

Wie war es? Ein richtig guter Krimi aus Stuttgart, den das Team aus Drehbuchautor und Regisseurin fürs Jubiläum - es war der 25. Fall - da entwickelt hat. Schauspielerisch das Highlight ist der Auftritt von Karl Markovics als Tabakhändler, der sich nicht mehr nach draußen traut, wegen seines Fehlers das Leben nicht mehr genießen kann und aufgrund seiner Güte von der Täterin verschont wird.

War es spannend? Ja! Auch wenn der Zuschauer nach noch nicht einmal der Hälfte des Films das Gesicht der Täterin kennt und rund 20 Minuten vor Schluss das Motiv deutlich wird, ist der Film spannend, weil es immer noch eine unvorhergesehene Wendung gibt. Ein geschickter Kniff war zum Beispiel, dass nicht die Ehefrau ihren Mann rächt, sondern seine Geliebte.