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"Tatort": So war der Fall "Der Welten Lohn" - Zweikampf ohne Sieger

Nachlese zum „Tatort“ aus Stuttgart : Ein Zweikampf ohne Sieger

Mit „Der Welten Lohn“ ist den Machern des Stuttgarter „Tatorts“ erneut ein guter, spannender Krimi gelungen. Besonders sehenswert: Hauptdarsteller Barnaby Metschurat.

Worum ging’s? Eine Mann wird aus dem Gefängnis freigelassen, wo er unschuldig eingesessen hat, und sinnt auf Rache. So weit, so einfach ist die Grundidee dieses „Tatorts“ – und dennoch gelingt den Machern um Regisseur Gerd Schneider ein spannender Thriller. Oliver Manlik (Barnaby Metschurat) hat in den USA dreieinhalb Jahre für Korruptionsvergehen seiner Firma gebüßt – Firmenchef Joachim Bässler (Stephan Schad) lässt nicht nur das jedoch völlig kalt. Bis seine Personalchefin tot im Wald gefunden wird und er selbst nur knapp einen Bombenanschlag überlebt. Schnell vermutet er dahinter Manlik, der wiederum selbst von einem Auftragsmörder attackiert wird. Die Ermittler Lannert und Bootz sind in diesem Zweikampf immer ein paar Schritte hinterher, können aber am Ende in einem leider recht „Tatort“-typischen Showdown den Rachemord Manliks an seinem Ex-Chef gerade noch verhindern. Letzterer gibt dabei nicht nur zu, den Auftragsmörder angestiftet zu haben, sondern auch, für die Bestechung verantwortlich zu sein, die Manlik überhaupt erst ins Gefängnis gebracht hat. Und der löst auf, was er am Tatort im Wald zu suchen hatte: Er wollte die Vorständin eigentlich nur zur Rede stellen, die flüchtete jedoch – und stürzte dabei in den Tod.

Worum ging’s wirklich? Um die unerbittliche, unmenschliche Welt der Großfinanz (der Titel des Films spielt passend auf das Sprichwort „Undank ist der Welten Lohn“ an) – und um einen Zweikampf ohne Sieger. Der zwar toll gespielte, in seiner arroganten Eiseskälte aber beinahe schon überzeichnete Firmenchef Bässler überlebt den Showdown zwar, wird sich aber seiner korrupten Machenschaften wegen trotzdem einem Richter stellen müssen. Außerdem sind die einzigen, die ihn in seiner schicken Villa besuchen, Angestellte – und sein Sicherheitsmann rettet am Ende lieber sich selbst vor dem Gefängnis als seinen langjährigen Chef. Und Manlik hat zwar die Genugtuung, dass jetzt alle wissen, dass er unschuldig im Gefängnis saß – sein altes Leben mit Frau und Sohn bringt das aber auch nicht wieder.

Den sollte man sich merken Barnaby Metschurat, 1974 in Berlin geboren, spielt den vom Leben und seinen Nächsten enttäuschten Oliver Manlik mit großer Intensität. Immer wieder verharrt die Kamera (ebenfalls toll: Cornelia Janssen) auf seinem wut- und schmerzverzerrten Gesicht, seine Verzweiflung wird in nahezu jeder Szene greifbar. Metschurat, der mit der Schauspielerin Lavinia Wilson verheiratet ist, ist deutschen Zuschauern bislang vor allem aus Nebenrollen bekannt, unter anderem in Fernsehfilmen wie dem „Tatort“ oder „Die Zwei“, aber auch internationalen Produktionen wie „L’auberge espagnole“ und „Solino“ (beide von 2002). Nach diesem Auftritt könnte sich das ändern.