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"Tatort": So war der Fall aus Franken - "Die Nacht gehört dir“

Franken-„Tatort“ : Ein maues Liebes-Lüftchen

„Die Nacht gehört dir“ war der sechste Fall des fränkischen „Tatort“-Teams, und er gehörte nicht zu seinen besten Folgen. Eine Szene war besonders ärgerlich.

Worum ging’s? Eine Frau, die wie eine Jägerin durch die Welt der Datingportale wandelte, liegt erstochen in ihrer Wohnung. Barbara Sperber (Anna Tenta) war erfolgreich und suchte ihre Partner nie für immer. Wenn die erste Verliebtheit abflaute, wenn ihr alles zu eng wurde, trennte sie sich. Schnell ist klar, dass ein Liebhaber, dem sie das Herz gebrochen hat, der Mörder sein muss. Die Frau hielt Männer stets auf Distanz, ebenso verfährt Regisseur Max Färberböck in dem Franken-„Tatort“ mit ihr. Sperber bleibt die Hälfte des Films ohne Gesicht, dafür kennt der Zuschauer ihren Po und ihre Brüste in Großaufnahme. Der Zuschauer fühlt sich in diesen Szenen wie ein Voyeur.

Wie war’s? Franken hat schon bessere Fälle geliefert. Der Fall „Die Nacht gehört dir“ beginnt rasant, mit viel Tempo und interessanten Einstellungen. Doch spätestens, als Sprengers Kollegin Theresa Hein (Anja Schneider) den Mord gesteht, geht die Dynamik verloren und das Unverständnis setzt ein. Plausibel wird nämlich nicht erklärt, warum sie sich als Mörderin präsentiert, auch wenn sie eigentlich unschuldig ist. Auch die Beschäftigung mit dem Thema Online-Dating blieb an der Oberfläche, Sprengers Beweggründe verbargen sich im Dunkeln. So war der Krimi eher ein laues Liebes-Lüftchen als ein packendes, in einer Tragödie endendes Drama. Vielleicht hätte man darauf mehr den Fokus legen können, anstatt am Ende mal wieder ein SEK zum Einsatz kommen zu lassen. Ein Krimi muss nicht immer mit einem Showdown enden. Nachvollziehbare Handlungsstränge und Motive wären wichtiger.

Was ging ans Herz? Kommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) findet selbst die Liebe, ohne Datingprofil, ganz analog, beim Einkaufen auf dem Markt bei einer Honigproduzentin. Seine Begeisterung und seine Flirtversuche rührten, besonders die Andeutung der Angebeteten, er müsse bald vor Honig platzen, so oft wie er bei ihr vorbeischaue.

Was war ärgerlich? Es wäre so schön, wenn in deutschen Filmen Menschen mit Migrationsgeschichte nicht mehr gebrochen Deutsch sprechen müssten. In Nürnberg schildert der junge Inhaber eines China-Ladens mit seltsamem Akzent seine Zeugenaussage. Am Ende deutet er auch noch eine Verbeugung an. Mehr Klischee geht nicht. Skandinavisches Fernsehen ist da schon so viel weiter bei der Abbildung der Gesellschaft.

Was lernt man über Nürnberg? Die Franken-Metropole hat tolle Altstadt-Wohnungen, und an der Tür des Tatverdächtigen Anton bimmelte eine der originellsten Klingeln der „Tatort“-Geschichte.