1. Panorama
  2. Fernsehen

"Tatort"-Nachlese zu "Unten": Warum schon wieder eine Folge aus Wien lief

„Tatort“-Nachlese : Schon wieder Wien

Ein „Tatort“ aus dem Obdachlosenmilieu – mit einer schier unglaublich grausamen Auflösung. Doch die hätte es gar nicht gebraucht, um das unerbittliche Leben auf der Straße zu zeigen. Dass zum dritten Mal seit der Sommerpause ein Krimi aus Wien zu sehen war, liegt an der Corona-Pandemie.

Worum ging’s? Der Obdachlose Gregor Aigner wird tot aufgefunden – mit viel Alkohol im Blut und Spuren von Crystal Meth an der Jacke. Kurz zuvor hatte er einer ebenfalls obdachlosen Bekannten seine Lebensversicherung überschrieben. Zunächst vermutet nicht nur Ermittler Eisner (Harald Krassnitzer) deshalb einen Mord im Milieu – doch Kollegin Fellner (Adele Neuhauser), die schon immer ein Herz und ein Händchen für die Menschen am Rande der Gesellschaft hat, vermutet schnell, dass hier mehr dahinter steckt.

Und behält recht: Aigner wurde umgebracht, weil er dabei war, ein grausames Geschäft aufzudecken. Unter dem Deckmantel eines Privatklinikverbundes arbeiten der Leiter des Wohnungslosenheims „Lebensraum“ und eine geschasste Chirurgin zusammen, um an der europäischen Transplantationsdatenbank vorbei Organe an die zu vermitteln, die es sich leisten können. Auf Kosten derer, die sowieso keiner vermisst.

Worum ging’s wirklich? Um die Grausamkeit eines Milieus, das die Menschen unsichtbar werden lässt. So, dass sich am Ende nicht einmal im sozialen Wien noch jemand für sie interessiert. Weder die Kollegen der zunehmend entsetzten Ermittler noch deren Vorgesetzter, der ihnen sogar rät, nicht allzuviele Überstunden in die Mordermittlung zu investieren.

Die Auflösung des Falls kommt am Ende zwar nicht mehr wirklich überraschend und besonders der Showdown wirkte etwas überzeichnet. Wer den Fall an sich aber für eine wahnwitzige Idee der Drehbuchautoren hält, dem sei eine kurze Google-Recherche ans Herz gelegt. Dennoch hätte es diese besonders perfide Masche gar nicht unbedingt gebraucht, um das unerbittliche Leben derjenigen zu zeigen, die durch jedes soziale Netz fallen. Bis auf wenige Ausnahmen – wie etwa das wirre Outfit der obdachlosen Gretl – gelingt es dem Sozialdrama, das gerade in diesem Corona-Winter zur rechten Zeit kommt, nämlich, genau das klischeefrei und wenig anklagend darzustellen.

Was fiel auf? Schon wieder Wien, mag sich mancher Zuschauer gedacht haben. Und das zu recht: Es ist der dritte Fall des Teams nach der Sommerpause. Auf Anfrage heißt es dazu von der ARD: „Grundsätzlich wird in der Planung darauf geachtet, dass es keine Sender- oder Themendopplungen gibt.“ Die Planung sei aber abhängig von der Fertigstellung der einzelnen Krimis – und bei einer „Polizeiruf 110“-Folge des rbb habe es coronabedingt Verzögerungen gegeben. Deswegen sei getauscht worden: „Unten“ lief statt wie ursprünglich geplant im Januar 2021 bereits jetzt.

Insgesamt sind demnach im kommenden Jahr 37 Erstausstrahlungen der „Tatort“-Reihe und sieben neue „Polizeiruf 110“-Folgen geplant. Der nächste Krimi mit den Wiener Ermittlern soll noch im ersten Halbjahr 2021 laufen.