"Tatort"-Nachlese zu "Kein Mitleid, keine Gnade" - wie gute alte Bekannte

„Tatort“-Nachlese zu „Kein Mitleid, keine Gnade“ : Wie gute alte Bekannte

Homosexualität, Mobbing - keine neuen, aber immer wieder ganz aktuelle Themen, denen sich der „Tatort“ aus Köln annimmt. Ein solider Krimi mit einem Ermittler-Team, das einem das beruhigende Gefühl gibt, auf gute alte Bekannte zu treffen.

Darum ging es

Der 17 Jahre alte Jan Sattler wird ermordet am Ufer eines Sees gefunden. Max Ballauf und Freddy Schenk, die Kölner Urgesteine der „Tatort“-Reihe, ermitteln im schulischen Umfeld des Jugendlichen und merken schnell: Sattler wurde von Mitschülern gemobbt, weil er homosexuell war. Drei Jugendliche, die zickige Nadine, ihr verwöhnter Freund Lennart und Fußball-Checker Robin, geraten ins Visier der Ermittler. Der Tod ihres Mitschülers lässt sie offensichtlich kalt, und schnell erfahren Ballauf und Schenk, dass sie Jan gemobbt haben für sein Anderssein. Eine ekelhafte Dreierkombo ist das, die sich gegenseitig hochschaukelt und die nicht davor zurückschreckt, Freddy Schenk zu beschuldigen, Nadine auf dem Schulhof betatscht zu haben und sein berufliches und privates Leben durch die haltlosen Vorwürfe einmal auf links zu ziehen.

Darum ging es wirklich

Darum, dass und wie schnell jeder Mensch Opfer von Mobbing werden kann. Um die Grausamkeit von Jugendlichen. Und die vollständige Ratlosigkeit der beiden Ermittler, wenn es um das Internet und soziale Medien geht. Jütte, der leicht lahme Assistent von Ballauf und Schenk, ist da schon etwas fixer unterwegs.

Das war gelungen

Die eklig-böse Nadine, die im einen Moment das personifizierte Lolita-Böse ist und im anderen Moment die arme Maus, die von ihrem Vater zurückgewiesen wird und eigentlich nur geliebt werden will. Das Beklemmungsgefühl, das sich beim Zuschauer festsetzt, weil Unschuldige in die Ecke getrieben werden und sich nicht wehren können. Und dann: das beruhigende Gefühl, mit Ballauf und Schenk und Köln mal wieder gute alte Bekannte zu treffen.

Nochmal einschalten?

Ach ja, schon. Mit dem Kölner „Tatort“ verhält es ja wie mit einem okayen Essen, das man schon sehr oft gegessen hat – man isst es, wenn es auf dem Tisch steht, und es ist auch in Ordnung, aber es lässt einen nicht in Jubelstürme ausbrechen.