Tatort-Nachlese: So war der Fall "Baum fällt" aus Österreich

Nachlese zum „Tatort: Baum fällt“ : Am Ende wurde es dann kitschig

Die ORF-„Tatort“-Folge „Baum fällt“ war durchschnittlich, die Kommissare lieferten aber gute Dialoge. Ansonsten war es mehr Heimatfilm als Krimi.

Wie war’s? Solide, mit ein paar guten Dialogen der Kommissare. Regisseur Nikolaus Leytner hat alle Zutaten für einen Heimatfilm in der ORF-„Tatort“-Folge „Baum fällt“ zusammengefasst. Ein Patriarch kontrolliert dank seiner wirtschaftlichen Macht ein ganzes Dorf. Seine zwei Söhne können sich nicht leiden - Hubert ist ein Fiesling, der sich die Frauen anderer Männer nimmt, Klaus ein gutmütiger Trottel. Als der fiese Hubert sein Ende im Brennofen des familieneigenen Holzwerks findet, gibt es genügend Verdächtige. Dazu mischt Leytner schöne Panorama-Aufnahmen aus Kärnten und vom Großglockner.

Wer war’s? Wie immer der gehörnte Ehemann und die treue Frau Mama. Das ganz klassische Motiv aus den Heimatfilm, dass derjenige, der aus der Gemeinschaft ausbrechen will, alles aufs Spiel setzt und die Balance stört, trifft auch hier zu.

Der beste Spruch Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) werden aus Wien abkommandiert und müssen nach Kärnten, weil die einflussreiche Familie nach dem Verschwinden des einen Sohnes die Ermittler beim Polizeipräsidenten angefordert hat. „500 Kilometer für einen Vermissten“, sagen sie. „Wenn’s wenigstens ein Toter wär’.“ Kaum sind sie angekommen, haben sie ihren Toten. Denn in der Asche des Brennofens wird ein Schulter-Implantat gefunden, das einzige, das vom Hubert übrig geblieben ist.

Die kennt man doch Verena Altenberger, mittlerweile Debütantin als neue Ermittlerin im Münchner „Polizeiruf 110“, ist hier noch mal als Dorf-Schönheit Valli Granitzer zu sehen, die plante, mit Hubertus das Weite zu suchen. Als sie merkt, dass er nur mit ihr spielt und sie belügt, setzt sie mit ihrem Verhalten die Ereignisse in Gang, die zu Hubertus’ Tod führen. Als sie am Ende dann mit ihrer Tochter ein Bäumchen pflanzt und von starken Wurzeln redet, wird der „Tatort“ aber doch ein wenig zu pathetisch und kitschig - Heimatfilm eben.