Tatort-Nachlese: So war der Fall "Anne und der Tod" aus Stuttgart

Tatort-Nachlese : Herausragender „Tatort“ zum Pflegenotstand

Seit elf Jahren sind die Stuttgarter Kommissare Lannert und Bootz im Dienst. Selten war einer ihrer Fälle so bewegend wie „Anne und der Tod“. Dies lag auch an der Hauptdarstellerin – aber nicht nur. Unsere Schnell-Kritik.

Worum ging es: Nach dem Tod von mehreren Patienten gerät die Pflegerin Anne (Katharina Marie Schubert) unter Verdacht. Nicht etwa weil es Beweise gibt, sondern weil die Serie von Todesfällen eigentlich kein Zufall sein kann. Doch die Verdächtige bleibt im Verhör erstaunlich gelassen und kann letztlich alle Fragen der Ermittler beantworten. Am Ende gesteht sie Morde, die sie nicht begangen hat, um von ihrem eigentlichen Geheimnis abzulenken. Anne erwies den alten Männern gegen Bezahlung erotische Gefälligkeiten, weil ihr Gehalt für sich und ihren Sohn sonst nicht ausreicht. Die Ermittler Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) ahnen Annes Geheimnis, aber können sie nicht stoppen. Auch wenn das Ende offen bleibt: Anne wird wohl ins Gefängnis gehen.
Was war gut: Autor Wolfgang Stauch und Regisseur Jens Wischnewski ist ein einfühlsames Drama mit geschickt gesetzten Zeitsprüngen gelungen. Im Mittelpunkt des Films stehen dabei die bedrückenden Verhörszenen im Präsidium. Die Rolle der Anne wurde mit Theaterschauspielerin Katharina Marie Schubert glänzend besetzt. Der Krimi macht deutlich, was Pflegenotstand wirklich bedeutet. Dass die Macher penibel recherchiert haben, um Details wie Dienstpläne oder Patientenakten originalgetreu wiedergeben zu können, merkt man dem Film in jeder Szene an.
Was noch zu sagen ist: Nach „Der Mann, der lügt“ war „Anne und der Tod“ der zweite Fall, bei dem die Suche nach schwierigen Wahrheiten im Mittelpunkt des Falls stand. Keine Waffen, keine Action, keine Gags, sondern ruhige, bedächtige Ermittlungsarbeit. Beide Fälle gehören zu den „Tatort“-Highlights der vergangenen Monate.

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