"Tatort"-Nachlese: Nemesis - Familiendrama mit überzogener Auflösung

Nachlese zum „Tatort“ aus Dresden : Der Sohn als Mörder

Eine Mutter, die ihren Sohn zum Mord am eigenen Vater anstiftet – zu viel für einen Sonntagabendkrimi, findet unsere Autorin. Nach einem furiosen ersten Fall der Dresdner Ermittlerinnen kann „Nemesis“ nicht mithalten.

Worum ging’s? Der Dresdner Szene-Gastronom Joachim Benda wird erschossen aufgefunden – schnell schließen die Ermittlerinnen Gorniak (Karin Hanczewski) und Winkler (Cornelia Gröschel) auf Organisierte Kriminalität. Doch unter anderem die Tipps eines befreundeten verdeckten Ermittlers und Winklers Gespür bringen die beiden in „Nemesis“ auf eine andere Spur: die der Witwe Katharina Benda, von der sich der Tote scheiden lassen wollte. Und die entpuppt sich dann sogar als handfeste Psychopathin, die ihren jüngeren Sohn als Mörder missbrauchte.

Was war nicht gut? Dass ein Teenager auf Geheiß der Mutter seinen Vater mit sieben Schüssen hinrichtet, wirkt selbst für „Tatort“-Verhältnisse etwas überzogen. Schade drum, als Familien-Psychodrama hätte dieser Fall durchaus Potenzial gehabt, auch dank Britta Hammelstein, die als Witwe zwischen gespielter Trauer und eiskaltem Wahn überzeugte. So wirkte der Showdown auf dem Einkaufszentrum am Ende genau wie die Auflösung überzogen – zumal den meisten Zuschauern schnell klar gewesen sein dürfte, dass die Mafia-These ins Leere läuft.

Was war gut? An ihren hervorragenden ersten gemeinsamen Fall konnten die Dresdner Ermittlerinnen nicht anknüpfen –  einen Spannungsbogen gab es trotzdem. Winklers komplizierte Beziehung zu ihrem Vater, dem legendären Ex-Polizisten, wurde weiter ausgeleuchtet – und mit einer neuen Facette versehen: den möglichen und von der Tochter kritisch beäugten Beziehungen zur Dresdner Unterwelt.

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