1. Panorama
  2. Fernsehen

Tatort-Nachlese aus Münster: Es weihnachtete nur sehr wenig

„Tatort“-Nachlese zu „Väterchen Frost“ : Es weihnachtete nur sehr wenig

Münster, ein Weihnachtsmärchen? Leider nicht. Stattdessen breiten die Macher des neuesten Falls von Thiel und Boerne stumpfe Klischees über Russen aus.

Worum ging es? Ein Fahrrad-Freak ist tot, sein Mörder war wohl Kirill Gromow, ein enttäuschter Liebhaber. „Totschlag im Affekt“ lautet Thiels Fazit. Aber so einfach ist es natürlich nicht.

Worum ging es wirklich? Die Überlegung der Macher war offenbar Folgende: Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) braucht einen Mann an ihrer Seite. Am Besten russischstämmig, wie sie selbst. Und weil der Russe an sich eben etwas anders ist (hoho), entführt er die Polizistin zunächst. Ineinander verknallen tun sich die beiden trotzdem, nach – Überraschung! – einem Wodka-Gelage. Die Entführung diente ja auch nur dazu, seinen Sohn Kirill vor dem Gefängnis zu retten, dessen Unschuld Thiel und Boerne flugs beweisen sollen, um Nadeshda wohlbehalten wiederzusehen. Diesen unorthodoxen väterlichen Einsatz findet das Opfer des Kidnappers ganz süß. Darüber, dass der tatkräftige Artjom seinen Sohn wegen dessen Homosexualität als „Taugenichts, Schwächling und Schwuchtel“ verachtet, kann sie nach ein paar ernsten Worten offenbar ganz gut hinwegsehen.

Was war lustig? Boernes Feuereifer für russische Opern, seine Recherchen im Kollegenkreis über Gift-Forschung „in gewissen klandestinen Laboren“ sowie seine herrlich irritierende Sorglosigkeit um Nadeshda: „Allgemein gilt der Russe ja als gastfreundlich!“ Dazu, dass er ein augenscheinlich von Thiels Assistentin stammendes blutiges Ohrläppchen samt Ohrring in die Kanalisation befördert, fällt ihm nur ein: „Hätte man sowieso nicht wieder annähen können...“

Was war misslungen? Weniger die hanebüchene Story um die afrikanischen Diamantenschmuggler samt fahrradfahrendem Helfershelfer und giftmischendem Superkiller. Die gehört ja quasi zum Inventar. Weihnachtlich aber war das nun wirklich nicht. Tiefpunkt: der im besten Fall hölzerne Umgang mit ausländerfeindlichen Klischees (bis hin zum polnischen Taschendieb, der für einen billigen Gag herhalten muss). Auch das Thema Schwulenfeindlichkeit, das für die Betroffenen lebensgefährlich werden kann, passt nicht in den Komödiantenstadl. Egal, wie eindrucksvoll die Sätze „Du hast dann keine Freunde oder Familie mehr. Alle behandeln dich wie eine Krankheit“ an sich sein mögen.