Tatort Münster mit Thiel und Boerne - TV-Kritik: Psychopathen unter sich

„Tatort“-Nachlese : Psychopathen unter sich

Okay, der Anfang war was komisch. Dann wurde der neue Fall aus Münster aber immer besser – was auch an den toll besetzten Nebenrollen lag. Der „Tatort“ im Schnellcheck.

Worum ging es? Birgit (stark: Kathrin Angerer) ist verloren und einsam, gelangweilt sowieso. Sie hat genug von ihrem popeligen Opel und vom Münsteraner Straßenverkehrsamt, wo sie Umweltplaketten ausgibt und versucht, ihrem übergriffigen Chef aus dem Weg zu gehen. Sie will das große Abenteuer und die große Liebe. Sascha Kröger (sensationell: Arnd Klawitter) verspricht ihr beides, in Rio. Er manipuliert sie, bis sie seine kranke Rachefantasie in die Tat umsetzt: Thiel und Boerne sowie Haller und Alberich sollen nicht etwa sterben – sondern bis an ihr Lebensende darunter leiden, dass Unschuldige gestorben sind, weil sie ihnen ähnlich sahen. Psychopathen-Logik halt.

Wie war’s? Vom verhunzten ersten Drittel abgesehen: Klasse! Weil man ihm ja glauben will, diesem Sascha Kröger, der hinter Gittern feierlich erklärt: „Ich war ein Monster, aber ich habe an mir gearbeitet. Hier drin bin ich zum Menschen geworden!“ Just unter dem Eindruck des geläuterten Ex-Knastis Markus Timotschek (toll: Ronald Kukulies), dem Thiel übereifrig ein SEK auf den Hals gehetzt hatte. Mehr als die Kabelbinder ums Handgelenk schmerzt ihn, dass sich nun die gesamte Nachbarschaft über ihn das Maul zerreißen wird. Irgendwas bleibt ja immer hängen.

Welches Urteil war das treffendste? „Vor dem laufen selbst Geißeltierchen schreiend davon, und Streptokokken wechseln die Straßenseite.“ – Boerne über Kröger. Der hatte zuvor im Glauben an den Tod der Frau, die seinetwegen zur Doppelmörderin wurde, zynisch befunden: „Das tragische Ende einer tragischen Figur.“

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