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“Tatort“-Masken: Sex, Lügen und prekäre Videos

Vorschau auf den Dortmund-“Tatort“ : Sex, Lügen und prekäre Videos

Die Dortmunder Kommissare Faber und Bönisch suchen den Mörder eines jungen Polizisten. Bis zum furiosen Finale hält „Masken“ viele Überraschungen bereit.

Der neue Dortmunder Fall „Masken“ hat viele Vorzüge. Einer davon ist, dass der Krimi (anders als es sein Titel erstmal vermuten lässt) nun wirklich gar nichts mit Corona zu tun hat. Aber der Reihe nach. Dem Polizisten Nicolas Schlüter (Daniel Kötter) bekommt seine morgendliche Joggingrunde im Park schlecht. Der junge Mann wird zweimal von einem Auto überfahren. Die Folgen sind entsprechend tödlich. Der 28-Jährige stand kurz vor einer Beförderung, seine Frau erwartet das erste Kind. Auf der Wache war das Opfer anscheinend beliebt. Für die Ermittler Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt) werden die Befragungen aber schnell kompliziert.

Die Dienststelle wird von Kathrin Steinmann (Anne Ratte-Polle) geleitet, mit der Bönisch auf der Polizeischule gut befreundet war. Dann kam es aber zum Bruch. Die Gründe bleiben lange vage. Steinmanns Tochter Jessica Steinmann (Michelle Barthel) ist als Polizeischülerin auf der Wache im Einsatz. Die junge Frau reagiert derart emotional und aufgelöst auf die Todesnachricht, dass Faber und Bönisch stutzig werden. Ermittlungen im Privatleben des Opfers ergeben, dass Schlüter als selbsternannter „Pick-up Artist“ beinahe jeden Abend eine andere Frau verführte und sein munteres, aber unlauteres Treiben mit einer versteckten Kamera filmte.

Mit seinen Eroberungen wollte der Ruhrpott-Don-Juan nach der ersten Nacht nichts mehr zu tun haben und benahm sich entsprechend fies. Den Ermittlern bleibt nichts anders übrig, als die umfangreichen Video-Aufnahmen aus der Wohnung des Opfers zu sichten. Es könnte ja schließlich sein, dass sich eine der heimlich gefilmten Damen rächen wollte.

Regisseurin Ayse Polat und den Autoren Arnd Mayer und Claudia Matschulla ist ein guter Krimi gelungen, der seine Spannung bis zum Schluss hält. Nach und nach legen die Beteiligten ihre Masken ab, die Handlung nimmt gleich mehrere überraschende Wendungen. Die Dialoge zwischen Bönisch und Faber sind wie immer trocken und amüsant. Auf die auch für den Zuschauer anstrengenden Streitereien auf dem Präsidium wird in dieser Folge weitgehend verzichtet. Die neue Ermittlerin Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) hält sich in „Masken“ noch etwas im Hintergrund, passt aber gut ins Team, auch weil sie einen Gegenpol zum sehr sachlichen und energischen Kollegen Jan Pawlak (Rick Okon) bildet.

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Ein wenig länglich geraten sind vielleicht die Szenen im Seminar für „Pick-up Artists“, in das sich Faber undercover einschleust. Dort führt ein schmieriger Zahnarzt (toll gespielt von Simon Böer) das Wort und erklärt den angeblich eingeschüchterten Männern, was die Frauen heute wirklich wollen. Gesagt bekommen, wo es langgeht nämlich. Für richtige „Tatort“-Fans ist das Thema leider nicht neu. Erst im Frühjahr wurden diese mehr als fragwürdigen Seminare in der Folge „Borowski und die Angst der weißen Männer“ ausgiebig behandelt. Immerhin nimmt Bönisch dem Zahnarzt kurze Zeit später im Parkhaus gekonnt die Luft aus den Segeln.

Das furiose Finale von „Masken“ wurde übrigens nicht im Ruhrgebiet gedreht, sondern auf der Staumauer der Aggertalsperre im Oberbergischen. Mehr wollen wir an dieser Stelle aber nicht verraten. Denn um die überraschenden Pointen dieses „Tatorts“ wäre es wirklich schade.

„Tatort: Masken“, Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.