1. Panorama
  2. Fernsehen

"Tatort" Liebeswut: So war der Fall aus Bremen

So war der „Tatort:Liebeswut“ : Der Teufel ist ganz nah

Im „Tatort“ aus Bremen hatten es die Ermittlerinnen mit einem Suizid, zwei verschwundenen Kindern und schrägen Figuren zu tun. Ein skurriler Fall, aber gelungen, meint unsere Autorin.

Darum ging es Eine Frau wird nach einem Wohnungsbrand tot in einem hermetisch abgeriegelten Zimmer gefunden – sie starb an einem Kopfschuss und trug ihr Hochzeitskleid. An der Wand über ihr prangen rätselhafte Botschaften rund um den Teufel, und die Töchter der Toten sind verschwunden. Ein Mord mit anschließender Entführung also? Nicht ganz: Die alleinerziehende Mutter nahm sich selbst das Leben; ihre beiden Kinder werden nach einem dramatischen Finale wohlbehalten aufgefunden. Hinter der Entführung steckte der Vater der Toten, der seiner Tochter nie vertraute und ihr Leben und ihre Kinder mit versteckten Kameras und Abhörtechnik überwachte. Der Teufel war also – wie es im echten Leben leider auch oft ist – ganz nah.

Der eisschleckende Nachbar hingegen – toll gespielt von Aljoscha Stadelmann – hatte nichts Böses im Sinn. Und kannte Kommissarin Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) tatsächlich von früher: Anders als durch die ersten Flashbacks zu vermuten ist, war er aber auch damals „einer von den Guten“. Stattdessen wird durch die albtraumhaften Szenen die psychische Misshandlung Moormanns durch die eigene Mutter offenbar; Basis für eine gelungene Weiterentwicklung der Figur der jungen Ermittlerin. Nicht mehr vor allem schnodderig und allzu jugendlich, sondern auch forsch und verletzlich. Gut so.

Tatort: So viele Zuschauer hatte die bislang erfolgreichste Folge

Das war gut Ziemlich absurde Figuren machen diesen „Tatort“ aus, für den mit Drehbuchautorin Martina Mouchot und Regisseurin Anne Zohra Berrached zwei Frauen verantwortlich zeichnen. Garniert wurde dies mit flirrenden Bildern mit teils deutlichen Anleihen im Horror- und Psychothriller-Genre. Eine gewagte Kombination, die sicher nicht alle Zuschauer überzeugt hat – für das noch junge Team aus Bremen war es aber ein Schritt nach vorne. Der Fall war spannend, die Dialoge saßen und den Kommissarinnen wurde trotzdem noch Raum gegeben, ihre Beziehung und ihren Ermittlungsstil zu entwickeln.

So könnte es weitergehen Manch einer wird sich gefragt haben, wo eigentlich der dritte im Bunde war – in den ersten Minuten wurde diese Frage allerdings in aller Knappheit beantwortet. Kommissar Mads Andersen (Dar Salim) weilt für eine Ermittlung in Kopenhagen, die beiden Ermittlerinnen sind also als Duo unterwegs. Nachdem in der zweiten Folge schon Andersen näher beleuchtet wurde und nun Moormann, wäre nun eigentlich Luise Wolframs Linda Selb dran. Die kühle Ermittlerin versuchte sich schon in „Liebeswut“ mehr oder minder erfolgreich an Gefühligkeit; man darf gespannt sein, wie es hier weitergeht.