Keine besinnliche Zeit: Tatort-Kommissar kritisiert Gewalt-TV an Weihnachten

Keine besinnliche Zeit: Tatort-Kommissar kritisiert Gewalt-TV an Weihnachten

Halle (rpo). Dem als "Tatort"-Kommissar bekannten Schauspieler Peter Sodann ging es im Fernsehen während der Weihnachtstage zu rabiat zu: Für seinen Geschmack waren auf dem Bildschirm zu viel Mord und Totschlag zu sehen.

Der Schauspieler Peter Sodann hat Gewalt-Szenen im Fernsehprogramm zu Weihnachten kritisiert. "Da sollte man doch einmal zählen, wie viele Schädel eingeschlagen, wie viele Menschen umgebracht worden sind", sagte der Mime in Halle an der Saale der Nachrichtenagentur AP. "Eigentlich sollte es doch eine friedliche und besinnliche Zeit sein." Am Neujahrstag ist Sodann zum 40\. Mal als "Tatort"-Kommissar Bruno Ehrlicher zu sehen.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Bernd-Michael Lade, der den Kain verkörpert, hat Sodann bisher die Mörder von 78 Opfern überführt. Viele gute Geschichten seien darunter gewesen, aber eine habe ihn doch am meisten berührt: "Das war 'Laura, mein Engel'."

In dem 1994 erstmals ausgestrahlten Tatort ging es unter anderem um das Thema Kindesmissbrauch. "Man wird es mit Tatort-Fällen nicht klären können, aber man kann anfangen, ernsthaft darüber nachzudenken", meinte der Schauspieler.

Lob für Kölner Kollegen

Gern gedreht habe er mit Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär: Mit den beiden Kölner "Tatort"-Kommissaren Max Ballauf und Freddy Schenk waren die Ostdeutschen in den Folgen "Quartett in Leipzig" und "Rückspiel" gemeinsam im Einsatz.

Über Schauspielerkollegen sagte Peter Sodann: "Es gibt Darsteller, Schauspieler und Komödianten in diesem Beruf." Am besten und seltensten seien Komödianten, die Darsteller würden überwiegen. "Das sagt auch etwas über die Leichtfertigkeit und Flüchtigkeit unserer Zeit aus."

  • Tipps für die Feiertage : TV-Programm zu Weihnachten und Silvester 2018

Die Figur Bruno Ehrlicher konnte Sodann in den Jahren seit 1992 weiterentwickeln, als der erste "Tatort" mit dem sächsischen Ermittlerduo unter dem Titel "Ein Fall für Ehrlicher" über die Bildschirme lief.

Auf die Frage, wie sich Ehrlicher in dieser Zeit verändert hat, meinte Sodann: "Laut Goethe verändert sich der Mensch überhaupt nicht." Allerdings sei zu hoffen, dass er reifer, vollständiger werde. Dies gelte wohl auch für die Kommissare. Was Ehrlicher aber heute von der Figur aus den ersten Folgen unterscheide sei, dass er inzwischen keine Waffe mehr trage.

"Kulturstaatsminister haben nichts bewegt"

Wenig Gutes mochte Sodann über die Kulturpolitik in Deutschland sagen. Nach wie vor litten die Politiker in Deutschland unter einem Anti-Kultur-Virus. "Da hat sich nichts verbessert, der Virus hat sich im Gegenteil sogar ausgebreitet", meinte der Schauspieler.

Auch die Einführung des Amtes eines Kulturstaatsministers habe nichts daran geändert. "Michael Naumann, Julian Nida-Rümelin und Christina Weiß haben ja nicht wirklich etwas bewegt", meinte Sodann. Über Bernd Neumann, den neuen Kulturstaatsminister im Kabinett von Angela Merkel könne man natürlich noch nichts sagen. Sehr zuversichtlich sei er aber nicht.

"Dabei sind doch Bildung und Kultur die einzigen Mittel, den Menschen Orientierung in dieser Welt zu bieten", betonte Sodann. Das Motto der französischen Revolutionäre müsse wieder stärker beachtet werden, die sich für "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" eingesetzt hätten.

(ap)
Mehr von RP ONLINE