"Tatort: Klingelingeling": Trauriger die Münchner nie klingen

"Tatort: Klingelingeling" : Trauriger die Münchner nie klingen

Batic und Leitmayr ermitteln im "Tatort" gegen die rumänische Bettelmafia. Weihnachtsstimmung kommt nur bedingt auf.

Im Advent werden nicht nur Tausende Touristen aus Italien für den Weihnachtsmarktbesuch nach München gekarrt, auf diesem Weg kommen auch organisierte Bettlerbanden in die bayerische Hauptstadt. Obwohl dort im gesamten Stadtgebiet aktives Betteln verboten ist und in der Altstadt auch das passive, ist es offenbar ein so lukratives Geschäft, dass die rumänische Bettelmafia an zentralen Plätzen vor allem hilflos aussehende Frauen platziert. Und dann macht es oft "klingelingeling", nämlich wenn das Kleingeld in die aufgestellten Behälter fällt.

Von diesem Geräusch leitet sich der Titel des Weihnachts-"Tatorts" aus München ab - und nicht etwa vom feierlichen Glockengeläut an Heiligabend oder dem Familienbesuch, der freudestrahlend an der Tür schellt. Und nicht nur das ist überraschend, sondern auch der gesamte Zugang zu dieser auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinenden Weihnachtsthematik, die tatsächlich aber deutlich näher an den Ursprung des Festes herankommt als der ganze kommerzielle Weihnachtstrubel.

Eine Frau mit Kind auf dem Arm darf nicht betteln

Ein totes Baby wird kurz vor Heiligabend in der Kirche am Alten Südfriedhof gefunden. Die Obduktion des Kinderleichnams ergibt, dass der Tod des Neugeborenen durch Ersticken eingetreten ist. Die Ermittlungen führen die Kommissare Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl) zu zwei Schwestern aus Rumänien, die von einer Bettelorganisation auf die Straße geschickt werden. In dieser Welt sind Menschen Ware - und Kinder haben gar keinen Platz. Denn sobald eine Frau ein Baby auf dem Arm hat, darf sie per Verordnung nicht mehr betteln. Schwanger dagegen bringt sie den Köpfen des Clans viel Geld ein, denn die Münchner scheinen umso bereitwilliger für eine milde Gabe zu sein.

Weihnachtsstimmung verbreitet dieser Fall kaum. Stattdessen gibt er einen Einblick in die straff organisierte und skrupellose Bettlerszene, in der einer den anderen verrät, um ein paar Euro mehr zu bekommen - denn der Großteil wird ohnehin von den Chefs einbehalten. Die Schicksale der beiden jungen Rumäninnen stimmen traurig. Zudem wird wie so oft bei den letzten "Tatorten" (nicht nur aus München) vor Augen geführt, dass die Polizei in vielen Fällen machtlos ist beziehungsweise nur in fest abgesteckten Grenzen ermitteln darf.

Insofern ist es Regisseur Markus Imboden ("Tatort": "Einmal wirklich sterben" und "Wunschdenken") sowie Drehbuchautorin Dinah Marte Golch gelungen, gegen diese schwere Handlung viele leichte Elemente zu setzen. Der Polizeichor singt in der Kantine des Präsidiums "Stille Nacht, heilige Nacht", währenddessen fallen die Kommissare immer wieder durch unangebrachtes Handygeklingel auf. Und würden sie nicht ständig von den aktuellen Ermittlungen "gestört", so könnten sie endlich wichteln.

Nach dem letzten Fall "Die Wahrheit", bei dem Batic und Leitmayr sich deutlich voneinander entfernt hatten, herrscht nun wieder Harmonie zwischen ihnen. Mit "Klingelingeling" wagt der BR etwas zum Fest. Dabei ist der Fall aber unbedingt sehenswert, vor allem wegen der starken Darsteller.

"Tatort: Klingelingeling", DasErste, Mo., 20.15 Uhr

Hier geht es zur Bilderstrecke: Szenen aus dem Tatort "Klingelingeling"

(RP)
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