Tatort in Münster: "Der Hammer" zum Jubiläum

Absolut sehenswerte Folge am Sonntagabend: Münster-Tatort: Ein Hammer zum Jubiläum

Im 25. WDR-"Tatort" aus Münster wird die Stadt von einem Superhelden im Lodenumhang heimgesucht. Dass der WDR sich zum 25. "Tatort" aus Münster um eine besondere Folge bemühen würde, war klar. Dass mit den reichlich auserzählten Figuren Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) noch einmal ein echter Knaller gelingen würde, dagegen weniger.

Schon der Auftakt ist ein Kracher. Einsam rollt ein Bus durch das nächtliche Münster, in dem seit Stunden die Bürgersteige hochgeklappt sind, bamm, fällt eine Leiche vom Himmel vor den fahrenden Bus. Der Ermordete ist Wolfgang Öhrie, ein einflussreicher Bauunternehmer. Ein Unbekannter hat ihn in seinem Büro getötet und auf die Straße geworfen.

Frank Zander umwerfend komisch

Und die nächste Leiche lässt nicht lange auf sich warten: Frank Zander spielt in einem umwerfend komischen Gastauftritt den Zuhälter Bruno Vogler, der in einem Parkhaus erschlagen wird. Als Thiel das Überwachungsvideo des Parkhauses auswertet, staunt er: Der Mörder hat sich als die westfälische Variante eines Superhelden verkleidet. Der Umhang ist aus Loden, die Strumpfhose über dem Kopf offenbar auch aus dem Trachtenshop, der Rest ist unbeschreiblich.

Die beiden Morde passen zusammen: Der Bauunternehmer plante mit der "Waikiki-Oase" in der Tarnung eines Wellness- und Erlebnisbads ein riesiges Bordell gleich hinter einem Wohngebiet. Hinter den Kulissen soll Schmiergeld geflossen sein. Im Zentrum des Verdachts steht Landrat Seelig.

Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann), die neuerdings E-Zigaretten rauchen muss, bleibt schließlich nichts anderes übrig, als den etwas zu forsch vorgehenden Thiel vom Dienst zu suspendieren. Dass der und Boerne natürlich nicht tatenlos zusehen, wie Assistentin Nadeshda Krusenstern (Friederike Kemper) den Fall übernimmt, versteht sich von selbst.

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Die Folge enthält wunderbare skurrile Einfälle, so zum Beispiel als Boerne sich im Baumarkt auf die Suche nach dem Hammer-Modell macht, das der maskierte Serienmörder benutzt. Als Boerne sich erkundigt, was man benutzen könnte, um Stirnknochen zu gravieren, holt der Baumarkt-Mitarbeiter lieber seinen Chef — der dann kekstrocken berät: "Markierungsschlägel. Wird in der Forstwirtschaft zum Markieren von Bäumen verwendet. Kostet aber Hundertsechsunddreißigfuffzich." Nimmt Boerne natürlich.

Auf die Idee mit dem Zahlen-Hammer, mit dem der Mörder seine Opfer tötet und nummeriert, kam Drehbuchautor und Regisseur Lars Kraume bei einem "Tatort"-Dreh in Frankfurt, wo er im Bahnhofsviertel ein Hammer-Museum und dort einen Markierungsschlägel entdeckte. "Und als ich wieder herauskam, dachte ich, dass das ein sehr geeignetes Requisit für einen Serienmörder ist", so Kraume.

Er hat vor allem ein feines Händchen dafür, der Thiel-Figur einiges an Verzweiflungs-Komik abzugewinnen. Sensationell, wie Thiel auf einem Wasserbett vergeblich versucht, eine in Tränen aufgelöste Blondine zu beruhigen — bis die wirkliche Witwe auftritt und erklärt: "Das ist bloß die hysterische Freundin meines Mannes." Thiel muss einiges einstecken in diesem Fall, zwischenzeitlich wird er mit Handschellen an sein Bett gefesselt. Und der Fall endet, passend zur Schrift, mit der er beginnt, mit Comic-Bildern. Hammer.

"Der Hammer", ARD, So., 20.15 Uhr

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bilder aus dem Münster-Tatort "Der Hammer"

(RP)
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