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Tatort heute, 16.05: So wird der "Franken noir" am Sonntagabend

So wird der „Tatort: Wo ist Mike?“ : Franken noir

In „Wo ist Mike?“ geht es um das Verschwinden eines Jungen. Ein düsterer, tieftrauriger Krimi – mit tollen Bildern und einem wunderbar aufgelegten Ermittlerduo aus Franken.

Ein Kind verschwindet, die Eltern sind verzweifelt, die Ermittler ratlos, der Druck ist hoch – das Muster ist bekannt, nicht nur aus dem Sonntagabendkrimi. So ist es auch in „Wo ist Mike?“, dem neunten gemeinsamen Fall des Franken-Duos Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) – und trotzdem ist dieser „Tatort“ von Regisseur Andreas Kleinert und Drehbuchautor Thomas Wendrich unbedingt sehenswert.

Das liegt zum einen an den tollen Bildern – verantwortlich dafür ist Michael Hammon, bekannt geworden durch die teils schmerzhaft realitätsnahe Inszenierung für Filme von Andreas Dresen („Halt auf freier Strecke“, „Wolke 9“), im Jahr 2008 bekam er den Bayerischen Filmpreis. Im Grundton düster und bleischwer flirrt es immer mal wieder aber auch grellweiß oder pink. Dazu kommen ungewöhnliche Perspektiven, zum Beispiel die einer Stubenfliege, was weniger albern ist, als es jetzt klingen mag – insgesamt eine überaus gelungene Untermalung für einen packenden Fall.

Denn auch die Geschichte nimmt den Zuschauer eigentlich von der ersten Minute an mit. In Bamberg wird ein kleiner Junge vermisst und das schon seit drei Tagen – doch seinen getrennt lebenden Eltern ist das nicht aufgefallen, beide wähnten Mike das Wochenende über beim jeweils anderen. Und beschuldigen sich jetzt gegenseitig, mit dem Verschwinden etwas zu tun zu haben. Die Mutter (Linda Pöppel) sagt, sie habe das Kind zuletzt an der Villa des Vaters (Andreas Pietschmann) gesehen, als sie ihn dort abgegeben habe. Dieser wiederum behauptet, sie habe den Kleinen wieder mitgenommen.

Oder hat der junge Titus (Simon Frühwirth) etwas mit der Sache zu tun? Er leidet unter psychotischen Schüben und hält sich ebenso wie Mike gern im Wald auf. An dessen Rand wohnt außerdem Rolf Glawogger (Sylvester Groth), ein Lehrer, der zurzeit wegen Missbrauchsvorwürfen seiner Schüler suspendiert ist. Irgendwie haben alle etwas zu verbergen, es ist kein einfacher „Whodunit“-Fall, der hier aufgeworfen wird. Denn, so viel darf verraten werden: Mike ist tot, aus der Vermisstensuche wird die Suche nach einem Mörder.

Glawogger spielt aber auch noch aus einem ganz anderen Grund eine große Rolle in diesem Krimi: Ermittlerin Ringelhahn, deren Privatleben in der Reihe bislang nur wenig thematisiert wurde, hat sich verliebt. Knall auf Fall, nach einem Treffen am Freitagabend verbrachte sie gleich die Nacht mit Glawogger, nicht wissend, dass ihr Kollege Voss schon bald wegen des vermissten Kindes vor der Tür stehen wird. Dagmar Manzel spielt dieses kurze, zarte Glück wunderbar leicht und doch verletzlich.

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Überhaupt ist die Menschlichkeit der beiden Ermittler ein weiterer Trumpf dieses Krimis, überhaupt der gesamten Franken-Reihe. Nie lassen sie sich von den Abgründen mitreißen, in die sie mit fortschreitender Ermittlungsarbeit blicken, stets bleiben sie nahbar, sensibel, empathisch. „Egoismus und Neurosen haben in diesem Team keinen Platz“, sagt die zuständige Redakteurin Stephanie Hecker. So lässt sich denn auch ein so düsterer und tieftrauriger Fall gut ertragen.

„Tatort: Wo ist Mike?“, Das Erste, So., 20.15 Uhr.