"Tatort: Glück allein" aus Wien: Gelungener Krimi, aber von der Realität überholt

Nachlese zum „Tatort: Glück allein“ : Von der Realität überholt

Im Wiener „Tatort“ ging es um einen undurchsichtigen Politiker, dessen Familie attackiert wurde. Ein durchaus gelungener Krimi – der mit der derzeitigen politischen Lage in Österreich aber nicht mithalten kann.

Worum ging’s? In das Haus des populären Abgeordneten Raoul Ladurner (Cornelius Obonya) wird eingebrochen, seine Frau wird erstochen aufgefunden, die Tochter stirbt kurz darauf im Krankenhaus. Familiendrama oder politisch motivierter Überfall? Die Ermittlungen werden auf Anweisung des Innenministers in „Glück allein“ statt an das Wiener Duo Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser) an eine unerfahrene Kollegin gegeben. Die beiden ermitteln aber natürlich trotzdem – und sind schnell überzeugt, dass Ladurner den trauernden Familienvater und überzeugten Anti-Korruption-Kämpfer nur spielt. Und haben recht: Ladurner stellt sich als Psychopath heraus, der seine Familie terrorisiert und die zehnjährige Tochter mit Drogen vollpumpt – bis diese die Mutter ersticht und sich selbst verletzt.

Was war gelungen? Ein gewohnt guter Krimi aus Wien, toll besetzt und mit der richtigen Dosis Geplänkel zwischen den Ermittlern.

Was war unglücklich? Nicht zum ersten Mal ermittelten die Wiener Kommissare im politischen Sumpf – und wurden diesmal von der Realität überholt. Stichwort „Ibiza-Affäre“: Vizekanzler Heinz-Christian Strache diskutierte in einer Villa auf Ibiza mit einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte über korrupte Praktiken rund um Parteienfinanzierung und Medienbeeinflussung – und wurde gefilmt. Nachdem das Video vor Kurzem veröffentlicht wurde, trat er zurück, dann stürzte die ganze österreichische Regierung über den Skandal. Damit kann der „Tatort“ trotz überzogener Auflösung nicht mithalten.

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